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Das fünfte Element| Kritik

Kinostart
1997



Handlung

Seit Jahrtausenden lagern in einer ägyptischen Pyramide vier Steine, die die Elemente symbolisieren, geschützt vor dem Zugriff der Menschen. Nur ein Priester weiß von ihrer Macht. Im Jahre 1914 kommen Archäologen dem Geheimnis auf die Spur, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Ein riesiges außerirdisches Raumschiff landet in der ägyptischen Wüste, dessen friedliche Insassen die Steine an sich nehmen, um sie vor dem Zugriff der Menschen zu schützen. Der Priester, der weiß, dass alle 5000 Jahre das Böse versucht, sich durch eine Spalte im Universum auf die Erde zu drängen, verspricht, das Wissen um die Macht der Steine an kommende Generationen weiterzugeben. Wenn diese Zeit gekommen ist, werden die Außerirdischen mit den Steinen zurückkehren, um die Erde vor dem Untergang zu retten.

300 Jahre später ist die Zeit reif. Ein riesiger Feuerball, die Verkörperung alles Bösen, rast auf die Erde zu und droht, sie zu vernichten. Der Einzige, der weiß, wie man das Unheil abwenden kann, ist der Priester Vitus Cornelius (Ian Holm), er berichtet dem amerikanischen Präsidenten (Tiny Lister Jr.) davon. Die vier Steine müssen sich in der ägyptischen Pyramide mit einem fünften Element verbinden, um das Böse für weitere 5000 Jahre zu besiegen. Das Raumschiff, in dem die Hüter der Steine zur Erde zurückkehren, wird jedoch von einer feindlichen Macht vernichtet, alles, was die Wissenschaftler retten können, ist eine Hand, aus deren DNA sie ein neues Wesen klonen. Das Ergebnis ist ein mit übernatürlichen Kräften ausgestattetes Geschöpf, Leeloo (Milla Jovovich), die Verkörperung des fünften Elementes und die einzige Hoffnung für die Menschheit. Leeloo flieht und landet bei ihrem Sprung von einem Wolkenkratzer unvermittelt im Lufttaxi von Korben Dallas (Bruce Willis). Gemeinsam mit dem Priester Cornelius versuchen die beiden, das Unheil von der Menschheit abzuwenden. Sie haben ihre Rechnung jedoch ohne Jean-Baptiste Emmanuel Zorg (Gary Oldman) gemacht, der als Abgesandter des Bösen seinerseits versucht, die Steine an sich zu bringen.


Filmkritik | Das fünfte Element

Wer schon in der Anfangsszene glaubt, er sei im falschen Film gelandet, nämlich in einem, den er schon gesehen hat, wird diesen Eindruck auch im weiteren Verlauf kaum wieder los. Die Anleihen, die Luc Besson gemacht hat, sind kaum zu übersehen. Erinnert der Beginn an Roland Emmerichs "Stargate", so sind im weiteren Verlauf immer wieder Szenen eingestreut, die eigentlich in die Star Wars Trilogie gehören. Fans dieser Trilogie werden es vielleicht als Hommage empfinden, für diejenigen, die anders denken, ist es nichts als ein großes Ärgernis. Die Kulisse von New York im 23. Jahrhundert wirkt zunächst einmal großartig mit ihrem Luftverkehr und besticht durch gelungene Special Effects, ein positiver Eindruck, der sich später jedoch immer mehr verwischt.

Obwohl das "5. Element" keine Comic-Verfilmung ist, sieht es teilweise so aus. Luc Besson ist bekannt für seine hochstilisierten Dekore, die seinen Filmen in Frankreich und anderswo Kultstatus verleihen. Man erkennt normalerweise sofort seine "Handschrift", und eingeschränkt gilt dies auch für das "5. Element". Dieser Film ist jedoch ein eklatantes Beispiel dafür, wie man den Bogen überspannen kann. Manches erinnert noch entfernt an Bessons frühere Werke wie "Subway" oder "La Femme Nikita", erreicht jedoch in keiner Weise deren Qualität. In das "5. Element" hat Besson alles der Optik geopfert. Diese kuriose Mischung aus französischem und Hollywood-Kino hätte interessant sein können, nervt im Laufe ihrer 122 Minuten Laufzeit jedoch zunehmend.

Man merkt deutlich, dass Luc Besson nach eigener Aussage mit diesem Film einen Jugendtraum verwirklicht hat, nämlich einen Film wie "Star Wars" zu drehen. Die Anleihen aus der Trilogie bilden einen deutlichen Bruch zur sonstigen Ausstattung, z.B. dass die New Yorker Polizei aussieht wie die Gefolgsleute von Darth Vader oder dass die bösen Außerirdischen den dortigen Kreaturen nachempfunden sind. Im Jahre 1977 mag man sich an den phantasievoll gestalteten Aliens erfreut haben, 1997 lassen sie einen nur noch an die Muppet-Show denken. Lächerlich.

Auch die Darstellung der Frauen lehnt sich an die fast frauenfreie Star Wars Trilogie an. Während George Lucas vor 20 Jahren ein Märchen geschaffen hat, in dem die einzige Frauenrolle die Prinzessin Lea war, die von den Helden des Films vor dem bösen Darth Vader gerettet werden musste, so sind die wenigen Frauen, die im "5. Element" auftreten so hochstilisiert, dass man glaubt, man hätte Schaufensterpuppen vor sich. Zumindest gilt das für die Randfiguren, die sowieso nur als Bedienung bei MacDonalds oder als Stewardess auf dem New Yorker Flughafen auftreten. Für manchen mag es beruhigend wirken, dass es auch im 23. Jahrhundert noch ein MacDonalds geben wird, andere werden sich von der aufdringlichen Werbung eher gestört fühlen. Überflüssig und ärgerlich.

Beim Bösewicht Zorg hat Besson tief in die Klischeekiste gegriffen, denn wie soll man es sonst erklären, dass der so aussieht wie ein Hitler der Zukunft? Also bitte, Monsieur Besson, ein bisschen mehr Fantasie kann man doch wohl erwarten! Gary Oldman, der diese Figur verkörpert, dürfte damit seinem Ruf als Schauspieler nicht gerade einen Gefallen getan haben. Der Bösewicht ist trotz seines französischen Namens eine Figur aus der deutschen Geschichte - das hätte Hollywood nicht klischeehafter gestalten können. Lächerlich und unpassend.

Die vielgerühmten Kostüme von Jean-Paul Gaultier sollen hier natürlich nicht unerwähnt bleiben. Ein nicht unerheblicher Teil der Produktionskosten von immerhin 90 Millionen US-Dollar dürfte in die Tasche des exklusiven Modedesigners geflossen sein. Über Geschmack soll man bekanntlich nicht streiten, die exzentrischen Kreationen dieses Meisters sind sicherlich nicht jedermanns Sache, aber alles hat Grenzen, u. a. auch der sog. gute Geschmack. Und der wurde hier nicht immer gewahrt. So mancher Mann mag Leeloos Outfit reizvoll finden, als Frau hat man jedoch nur einen einzigen Wunsch, nämlich dass die Dessous-Industrie es sich nicht zum Vorbild nehmen und die nächste Frühjahrskollektion in ähnlicher Weise gestalten wird. Man fragt sich, wie viel der Entwurf dieser exklusiven Strapse wohl gekostet haben mag, denn eigentlich hätten ein paar Mullbinden denselben Effekt erzielt. Die Modefarbe orange, die sowieso nur sehr wenigen Leuten steht, wurde ebenfalls etwas überstrapaziert. Dass Bruce Willis passend zu Leeloos Haaren den halben Film über ein orangefarbenes Unterhemd tragen muss, ist keine besonders gute Idee. Es steht ihm nicht. Vor allem in Anbetracht seiner in diesem Film wasserstoffsuperoxid-blonden Haare. Der gute Ruf, den ihm seine beeindruckende Leistung in Terry Gilliams "12 Monkeys" eingebracht hat, dürfte unter seiner Darbietung in "Das fünfte Element" doch einigen Schaden erleiden. Schade, Mr. Willis, wir hatten gerade geglaubt, dass Sie doch ein guter Schauspieler wären. Aber hier hat man Sie wahrscheinlich einfach nicht gelassen. Zu dumm.

Positiv und der Erwähnung wert ist an diesem Film lediglich der Soundtrack von Bessons Hauskomponisten Eric Serra. Auch wenn die z.T. hypermodern anmutende Musik nicht jedem gefallen wird, so verleiht sie dem Film doch eine gewisse Atmosphäre, die ihn von ähnlich aufwändigen Hollywoodproduktionen unterscheidet. Man soll sich nicht täuschen, dieser Film sieht sehr viel französischer aus, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, kann aber letztendlich in keiner Hinsicht überzeugen. Selbst die Special Effects lassen teilweise zu wünschen übrig und erinnern stark an Kulissen aus Vaters Trickbaukasten.

Fazit: Pubertär anmutender Versuch, eine moderne, französische Version von Star Wars zu drehen. Höchst peinlich und absolut überflüssig.


Filmkritik von Monika Hübner

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Kommentare


25.06.2011, 14:01:58
Es gibt einen riesen Unterschied zwischen der deutschsprachigen Übersetzung und dem englischsprachigem Original des Film. Sehr sehr viel Humor geht in der deutschen Fassung verloren.

Ich habe den Film seinerzeit im Auslang als Original und in Deutschland gesehen. In DE hat fast kein Mensch gelacht. Bei der Originalfassung haben sich die Zuschauer gekugelt... meine 8 Punkte gehen jedenfalls an das Original.

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Herstellungsland
Frankreich

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Fifth Element

Einspielergebnis
263 Mio. US-Dollar (weltweit)



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