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Das Fischkind| Kritik 5/10

Kinostart
07.01.2010



Handlung

Lala, ein Mädchen aus dem reichen Vorortviertel von Buenos Aires, hat eine Liebesbeziehung zu Guayi, dem 20 Jahre alten Hausmädchen der Familie. Sie träumen davon, zusammen nach Paraguay abzuhauen, in Guayis Heimat am Ufer des Ypoá-Sees. Der Mord an Lalas Vater kommt ihnen dazwischen. Eine Flucht beginnt, über den Highway, der den Norden von Buenos Aires mit Paraguay verbindet. Während Guayi in einem Kinderheim festgehalten wird, wartet Lala in Ypoá auf ihre Freundin. Gerüchte sind dort über sie im Umlauf, von einer Schwangerschaft und der Legende eines Fischkindes, das die Ertrunkenen zum Grund des Sees führt. Ein Verbrechen kommt ans Tageslicht, das Guayi seit langem geheim hielt...


Filmkritik | Das Fischkind

Das neue argentinische Kino, bei uns relativ unbekannt, liebt das kleine, ambitionierte  Roadmovie.  Selbstfindungsreisen aus dem Großstadtdschungel von Buenos Aires in die endlosen Weiten des Riesenlandes sind oft Thema. Typisch Südamerikanisch mischen sich dabei Kritik an sozialen Zuständen, Liebesgeschichten hart am Kitsch mit magisch-surrealen Sequenzen und blutigen Gewaltszenen.  Sehr konsequent zieht ein solches Konzept die Regisseurin  Luzia Puenzo durch, deren Film "Das Fischkind" jetzt in die Kinos kommt. Das Besondere: Die Argentinierin verfasste nicht nur das Drehbuch, sondern auch die Romanvorlage zum Film.

Leichte Kost ist dieser Film nicht, zu sehr springt er unmotiviert zwischen den Zeitebenen, verwirren sich Traum und Fiktion, verwickeln sich die Erzählstränge um einen wirren Plot ohne erkennbare Zielrichtung. Eher ein assoziativ Fäden spinnender als ein erzählender Film. Selbst der hart gesottene Freund von sperrigem Arthouse-Kino verliert irgendwann die Geduld und fühlt sich ein bisschen an der Nase herum geführt. Wurde der Vater und Vergewaltiger nun ermordet oder nicht, gehen die liebenden Mädchen ins Wasser oder fangen sie gemeinsam ein neues Leben an? – man weiß es nicht. Und was hat hat es eigentlich mit diesem  seltsamen Fisch in seinem Unterwasserreich in einem paraguyaischen See auf sich? Vielleicht wollte Puenzo, als Filmemacherin relativ unerfahren, einfach zu viel auf einmal: traditionelles Roadmovie, ambitioniertes Autorenkino, Gefängnisdrama, rüde Polizei-Szenen, Gesellschaftskritik und heißen Lesben-Sex in der Badewanne.  Ein rüder Mix, der angestrengt und gewollt wirkt.

Am gelungensten ist "Das Fischkind" in Szenen, in denen  Mariela Vitale als gleichzeitiges Objekt der Begierde von Vater und Tochter nicht nerven kann. Der in Argentinien als singendes Popsternchen Emme bekannten Actrice nimmt man die Rolle des mehrfach missbrauchten indianischen Hausmädchens La Guayi aus Paraguay einfach nicht ab, sie agiert hölzern, zieht einen Schmollmund und beschränkt ihre mimischen Aktionen auf das freigebige Zeigen ihrer körperlichen Reize. Dem in Buenos Aires durchaus bestehenden Problem, dass paragayische Indianer als billige Arbeitskräfte und Haushaltshilfen unter sklavenartigen Bedingungen ausgebeutet werden, leistet dieser Film mit seiner voyeuristischen Grundhaltung einen Bärendienst. Überzeugend dagegen das intensive Spiel von Inés Efrón als Lala, die mit ihrem ausdrucksstarken Gesicht bereits in Puenzos Debutfilm, dem Transgender-Drama "XXL", zu beeindrucken wusste. In den Szenen mit ihr, in denen "Das Fischkind" zum Roadmovie wird, keimt Hoffnung auf, es könnte doch noch was werden mit dem Film. Am Ende klammert sich der in der Bilderflut versinkende Zuschauer wie ein Ertrinkender an diesem Gesicht als einzigem verlässlichen Anker fest. Was dann doch ganz gut zu einem Fischkind passt.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Das Fischkind

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Steckbrief
Regie
Lucía Puenzo

Darsteller
Ailín Salas, Arnaldo André, Carlos Bardem, Diego Velázquez, Inés Efron, Julián Doregger, Mariela Vitale, Paloma Contreras, Pep Munné, Sandra Guida

Genre
Drama, Romantik, Thriller

Tags
Buenos Aires, Frauenliebe
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Argentinien, Frankreich, Spanien

Alternativ- bzw. Originaltitel
El Niño Pez




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