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Das Bildnis des Dorian Gray| Kritik 1/10

Kinostart
15.04.2010



Handlung

Frauen liegen ihm zu Füßen, denn Dorian Gray (Ben Barnes) hat ein gutes Aussehen und Jugend. So stellt sein unermessliches Verlangen nach Frauen kein Hindenis dar, ganz im Gegenteil. Lord Henry Wotton (Colin Firth) zeigt Dorian wie diese Eigenschaften ihm zu Macht verhelfen können. Doch Dorian trägt einen unvorstellbar Fluch in sich. Er altert nicht und ist auf ewig in unserer Welt verdammt. Erfährt jemand von seinem Geheimnis, muss er diese Person töten.


Filmkritik | Das Bildnis des Dorian Gray

Kaum ein zweites Buch der Weltliteratur ist derart häufig verfilmt worden wie Oscar Wildes  Jugendwahn-Roman "Das Bildnis des Dorian Gray", eine erste Version erschien bereits 1910 in Dänemark, Hollywood nahm sich des Stoffs 1945 an. Es folgten zahllose Film- und Fernsehversionen weltweit. Die in das Swinging London jener Jahre verlagerte Version von 1970 mit dem "schönsten Mann der Welt" Helmut Berger gilt heute als Kult-Trash-Film. Trash ist die aktuelle Variante aus Großbritannien von Oliver Parker ebenfalls, und zwar von der parfümierten, schicken Art, zielgruppenorientiert bestückt mit Sex, Splatter, Gothic und Grusel, abgemischt mit einer feinen Prise "Twilight"-Mystery-Atmosphäre. Jede einzelne Zutat allerdings wird nur gebremst und in homeopathischen Dosen darunter gemischt. Herausgekommen ist ein derart fades Menü, dass dem leidenden Filmfreund davon noch nicht einmal schlecht wird. Murks wäre über diesen Film noch ein zu mildes Urteil.

Wer guckt sich so etwas an? Keine Ahnung. Denkbar sind zwei Varianten: Der schöne Nichtschauspieler und ehemalige Boygroup-Sänger Ben Barnes, der in dem Fantasy-Film "Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia" die Hauptrolle spielte, soll im Gespräch bleiben und darf ein wenig erwachsener werden: "Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte", ebenfalls mit Barnes, kommen demnächst in die Kinos. Zweite Möglichkeit: Der früher eher als langweilig berüchtigte Colin Firth ("Mamma Mia!", "Zufällig verheiratet"), der gleichzeitig mit "A Single Man" auch dank perfekter Maske und brillianten Klamottenstylings in den Kinos brilliert, soll derzeit von seinem Brav-Image zum Charakterdarsteller umgedeutet werden, was ja auch recht gut gelingt: Alle anderen Darsteller in "Das Bildnis des Dorian Gray" sind so schlecht, dass sein Stern als zynischer Verführer Lord Henry umso heller strahlt. Was den Film letztendlich nicht rettet.

Wer den in der Tat grandios geschriebenen und zeitlos aktuellen Roman um Sucht und Sehnsucht nach ewiger Schönheit und Jugend und um die Doppelmoral einer dekadenten Gesellschaft, verpackt in ein viktorianisches Gothic-Szenario, gelesen hat, weiß: Der Stoff ist - wie übrigens alle sehr guten Romane - letztendlich schwer verfilmbar, da er im Text vieles offen lässt, zwischen den Zeilen die Fantasie seiner Leser heraus fordert, nie drastisch oder plump wird und weitaus vielschichtiger ist, als es ein auf Showeffekte angelegtes Spektakel wie dieses je sein könnte. Der Dandy und verdeckte Homosexuelle Oscar Wilde hätte anders um 1890 auch gar nicht schreiben können. Zehn Jahre später starb er an den Folgen einer wegen seiner Männerliebe verbüßten Zuchthausstrafe. Dennoch: einen soliden, spannenden und zeitgemäßen Film hätte man aus der Romanvorlage machen können.

Und jetzt kommen wir zum eigentlich Unverschämten dieses rundum ärgerlichen, lächerlichen und höchst überflüssigen Films: Das Drehbuch verrät seine Vorlage komplett und ändert das Ende des Plots derart, dass es mit Oscar Wilde nichts mehr zu tun hat: Während Dorian sich im Roman am Ende selber richtet und keine Erlösung findet, wird er im Film begnadigt und darf seiner unschuldigen Liebsten - geläutert von sämtlichen Anwandlungen von Homosexualität, Lust auf Freudenmädchen, flotten Orgien, Mord und anderne Lastern - wie Romeo seiner Julia mit Boygroup-Stimme ein Ständchen zur Klampfe bringen. Ganz wie die kleinen Zuschauerinnen der "Narnia"-Verfilmungen es mögen. Sonst wären sie auf ihren Prinzen Kaspian an der Kinokasse sicher böse geworden.


Filmkritik von mkrispien

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Das Bildnis des Dorian Gray

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