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Dame, König, As, Spion| Kritik 9/10

Kinostart
02.02.2012



Handlung

Eine missglückte Aktion des britischen Geheimdienstes in Budapest hat politische Folgen: Der langjährige MI6-Chef „Control“ (John Hurt) und seine rechte Hand George Smiley (Gary Oldman) müssen ihren Hut nehmen und eine junge Generation um den intriganten Percy Alleline (Toby Jones) übernimmt die Macht. Im „Circus“, wie der Auslandsgeheimdienst von seinen Agenten genannt wird, brechen neue Zeiten an.

Nur wenige Monate später wird Smiley reaktiviert: Im direkten Auftrag der Regierung soll er einem ungeheuren Verdacht nachgehen, den der mittlerweile gestorbene Control gehegt hatte: Gibt es an der Spitze des Circus einen Maulwurf des sowjetischen KGB? Fünf Männer hatte Control auf seiner Liste: den neuen Chef Percy Alleline, den selbstbewussten Bill Haydon (Colin Firth), den altgedienten Roy Bland (Ciarán Hinds), den Bürokraten Toby Esterhase (David Dencik) und – seinen Ziehsohn Smiley selbst. Smiley ist schockiert, dass Control ihn des Verrats für fähig hielt. Zusammen mit dem jungen Agenten Peter Guillam (Benedict Cumberbatch) ermittelt Smiley fortan in den eigenen Reihen. Um den Verräter zu finden, darf er keinen Staub aufwirbeln und muss sich auf seinen Verstand und alte Freunde verlassen. Viele Spuren verlaufen im Sand, bis schließlich der junge Agent Ricki Tarr (Tom Hardy) aus einem Einsatz in Istanbul einen entscheidenden Hinweis mitbringt.


Filmkritik | Dame, König, As, Spion

Die Wege eines Geheimdienstmannes sind unergründlich. Nach acht Jahren quittierte David John Moore Cornwell seinen Dienst als Agent des britischen MI6, um sich dem Schreiben von Romanen zu widmen. Wie er selbst sagte, aus Gründen, die ihn "in Beruf und Privatleben zutiefst unglücklich" machten. Unter dem Künstlernamen John le Carré veröffentlichte er fortan Kriminalromane, die von seiner Arbeit maßgeblich beeinflusst wurden. "Dame, König, As, Spion" war sein siebtes Werk, das 1974 erstmals erschien. Gleichzeitig stellte es das fünfte Buch mit seiner berühmtesten Romanfigur George Smiley dar, dessen Geheimdienstgenialität im direkten Widerspruch zu seiner sozialen Inkompetenz steht. Nun nahm sich der schwedische Regisseur Tomas Alfredson ("So finster die Nacht") Carrés Geschichte an, eine Künstlersymbiose, die auf den ersten Blick irritiert.

Zunächst, auch völlig unbedarften Zuschauern, die weder das Buch noch die mehrteilige BBC-Verfilmung mit Alec Guinness kennen, eröffnet sich ein Film, dessen entschleunigte Oberfläche wie Balsam auf der gereizten Hollywoodhaut wirkt. Alte Männer spielen Kalter Krieg fernab von Agentenklischees und Actionszenen - selbst ein eloquenter Gentleman aus alten Agententagen wie James Bond erscheint im Vergleich dazu wie ein hyperaktiver, grüner Spund. Darunter offenbart sich eine der verschachtelsten und forderndsten Erzählungen seit langem. Wenig überraschend, dass für den Schnitt des Films sechs Monate benötigt wurden, um die komplexe Maulwurfsjagd schlüssig und dramaturgisch aufzulösen. Der Zuschauer wird von Informationen nahezu erschlagen, reiht im Kopf ununterbrochen A an B und versucht mit dem Film Schritt zu halten. Das dürfte den Film einige Punkte kosten. Was dem einen ein geistiges Brennen unter den Fingernägeln verursacht, wird den anderen über kurz oder lang aus dem Film reissen. "Dame, König, As, Spion" fordert bis zu letzt und zwingt den Zuschauer alle Wägbarkeiten auszuloten - oder katapultiert ihn im hohen Bogen aus dem Film.

Wie in seinem Meisterwerk "So finster die Nacht" beweist Regisseur Alfredson auch in "Dame, King, As, Spion", dass er den eisigsten Szenarien einen Funken zwischenmenschliche Wärme und Romantik abringen kann, selbst dem Kalten Krieg. Auf diese Weise wirkt der Film besonders während seinen letzten Minuten gerade zu wehmütig und in sich gekehrt. Alfredson ist ein Film geglückt, der die Tugenden von "Drei Tage des Condor" und "Die üblichen Verdächtigen" in sich vereint und mit einem Starensemble glänzt, das mit Blicken statt mit Worten dem Zuschauer zusetzt und die Suspense greifbar werden lässt.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Dame, König, As, Spion

© STUDIOCANAL GmbH Filmverleih

Kommentare


R. Herbert
02.04.2012, 14:03:41
"Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!"

Eher ein Oxymoron, denn eine vernünftige Forderung.

"Dame, König, As, Spion": Was für das Buch (in alter Rechtschreibung) noch korrekt war, ist für einen Film im Jahre 2012 nur noch peinlich.
erp
21.02.2012, 20:22:21
Bin einer von den völlig unbedarften Zuschauern gewesen. Die Fülle an Figuren, Namen, Details hat mich tatsächlich aus dem Film katapultiert. Ich denke man sollte den Roman (am besten erst kürzlich wieder) gelesen haben, sonst kann man den Film nur detaillierte Liebe zum verranzten Ambiente des englischen Geheimdienstes, von alten Autos, Wohnungen und antiquierter Bürokommunikation nachsagen.
Die Requisite und die Filmmusik waren fabelhaft, vieles hat sich mir aber nicht erschlossen.
Ich habe den Film definitiv nicht kapiert.

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Steckbrief
Regie
Tomas Alfredson

Darsteller
Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds, Colin Firth, David Dencik, Gary Oldman, John Hurt, Kathy Burke, Laura Carmichael, Mark Strong, Philip Martin Brown, Stephen Graham, Svetlana Khodchenkova, Toby Jones, Tom Hardy

Genre
Drama, Thriller

Tags
Agenten, Kalter Krieg
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland, Frankreich, Großbritannien

Alternativ- bzw. Originaltitel
Tinker, Tailor, Soldier, Spy




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