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Crazy, Stupid, Love.| Kritik 8/10

Kinostart
18.08.2011



Handlung

Cal Weaver (Steve Carell) ist jenseits der 40 und hat sich seinen bürgerlichen Traum verwirklicht – ein guter Job, ein schönes Haus, wunderbare Kinder, die Ehe mit seiner Schulfreundin. Doch dann erfährt Cal, dass seine Frau Emily (Julianne Moore) ihn betrogen hat und die Scheidung will – unvermittelt löst sich die „perfekte“ Idylle in Luft auf. Doch es kommt noch schlimmer: Als Single wider Willen hat Cal aufgrund seiner jahrzehntelangen Ehe völlig verlernt, wie man sich auf Dates verhält – uncooler geht es wirklich nicht. Weil der unglückliche Cal sein Selbstmitleid an einsamen Abenden in einer Bar ertränkt, nimmt ihn der attraktive, zehn Jahre jüngere Aufreißer Jacob Palmer (Ryan Gosling) unter seine Fittiche: Er will Cal helfen, seine Frau zu vergessen und ein neues Leben zu beginnen. Und er demonstriert ihm, welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen: willige Frauen, maskuline Drinks und ein Gefühl für Stil, wie man es in der Abteilung für Herrenoberbekleidung sicher nicht entwickeln kann.


Filmkritik | Crazy, Stupid, Love.

Entweder man vergöttert den Boden auf dem sie wandeln oder man verdreht bei ihrem Anblick genervt die Augen. Die Rede ist von den romantischen Indiependentfilmen des US-amerikanischen Kinos. Weder Komödie, noch Liebesfilm, noch Drama, bestimmen diese Filme ihre eigenen Genreregeln, die sich nicht erst seit dem Überraschungshit „(500) Days of Summer“ auch abseits der Fankreise immer größerer Beliebtheit erfreuen - eine Entwicklung, die „Crazy Stupid Love“ zusätzlich begünstigen dürfte.

Wer auf der Suche nach der einen wahren, großen und immer währenden Liebe ist und darauf vertraut, dass das Schicksal irgendwann den Weg weist, dürfte aufgrund von „Crazy Stupid Love“ eine gewisse Enttäuschung erleben. Nicht, weil der Film nicht über Herz, Einfühlungsvermögen und ein sicheres Auge für glaubwürdige Romantik verfügt, sondern weil die wahre Liebe in ihrer verklärten, romantisierten Darstellung schlicht ungenannt bleibt. Jeder Handlungsstrang repräsentiert eine andere Form von „Liebe“, sei es die in die Jahre gekommene, die sich langsam und unmerklich in etwas anderes verwandelte. Oder eine noch junge und flüchtige Liebe, die sich einem plötzlich offenbart, aber sich erst noch beweisen muss. Nicht zu vergessen die unschuldige, erste Liebe, mit all ihren hormonellen Peinlichkeiten. Das Geheimnis steckt in der entwaffnenden Ironie der Charaktere und ihren geistreichen, selbstreflexiven Beobachtungen. Trotz des Ehrfurcht einflößenden Schauspielensembles - Julianne Moore, Emma Stone, Marisa Tomei, Kevin Bacon, Steve Carell und Ryan Gosling, egal ob Männlein oder Weiblein, diese Zusammenstellung lässt keinen Hormonhaushalt unberührt - verkommt der Film weder zu einer One(wo)man-Show, noch läuft er Gefahr, durch seine großen Namen erdrückt zu werden. Im Gegenteil, besonders Carell und Gosling spielen gekonnt gegen ihr sonst übliches Rollenstereotyp an. Tomei und Moore blieben sich treu, ebenso Emma Stone, die mit ihren fünf großen „S“ - Schauspieltalent, Sexsymbolik, Säuferstimme, Sommersprossen, und Schweinelächeln - die altmodischen Vorstellungen eines Everybody's Darling Hollywoods gründlich generalüberholt. Der Film steht mit beiden Beinen auf dem Boden und zeigt mit seiner Generationen übergreifenden Zurschaustellung täglicher Beziehungsprobleme auf zurückhaltende Weise, dass wir im Verlauf unseres Lebens mit den verschiedensten Formen der Liebe zu kämpfen haben. Der sentimentale Ausrutscher, den sich „Crazy Stupid Love“ in seinen letzten Minuten leistet, trübt die Begeisterung, besonders weil der zweite Akt mit einer charmanten Screwball-Szene endet. Die zuvor nur zärtlich angedeutete, romantische Botschaft wird dadurch anstatt mit Amors subtilen Holzpfeilen mit einer alles zerschlagenden Nagelpistole an die Wand geschlagen.

„Crazy Stupid Love“ ist eine gesunde Mischung aus geistreichen Indie-Momenten, einer ironischen Abstraktion der klassischen Liebesthematik und Hollywood typischer Herz-Schmerz-Theatralik. Ein Hybrid, der sich aus Elementen beider Welten - des kitschigen Hollywoods und der kleinen, in sich gekehrten Indieszene - zusammensetzt.  Der Film ist nicht so experimentierfreudig und verspielt wie „(500) Days of Summer“, aber auch nicht auf eine Weise kitschig-sentimental wie es beispielsweise „Tatsächlich Liebe“ war. „Leben und Lieben in L.A.“ trifft auf „Dan -  Mitten im Leben“ und einer Prise „Einfach zu haben“, so könnte der Film recht treffend umrissen werden.


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Crazy, Stupid, Love.

© Warner Bros. Pictures

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