Cindy liebt mich nicht - Filmkritik | kulthit.de 
Die Filmkritik Community!

Suche
Start » Filmarchiv » Filmkritik

Cindy liebt mich nicht| Kritik 3/10

Kinostart
10.06.2010



Handlung

Zwei Männer um die 30 und grundverschieden: Franz (Clemens Schick), Barkeeper im "Cindy liebt mich nicht", und David (Peter Weiss), Referendar bei der Staatsanwaltschaft, haben beide gleichzeitig eine Liebesgeschichte mit einer jungen Frau, ohne von dieser Dreiecksbeziehung zu wissen. Maria (Anne Schäfer) ist eine besondere Frau, die jedem genau das gibt, was er zu brauchen scheint, und doch ganz in ihrer eigenen Welt lebt. Als sie mit einem Mal verschwindet, treffen die beiden Männer aufeinander. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Maria.


Filmkritik | Cindy liebt mich nicht

Es gibt eine oft kolportierte Regel, dass aus einem guten Roman immer ein schlechter Film wird, aus einem schlechten Roman manchmal ein sehr guter Film. Stimmt nicht immer, und manchmal ist es auch umgekehrt. Was aber wird aus einem banalen Roman? Ein ebenso banaler Film. Das kann dennoch für Kurzweil sorgen, wenn die Regie diese Banalität erst gar nicht hoch jubeln will und mit Geschick nette Unterhaltung abliefert. Die junge Spielfilm-Debütantin Hannah Schweier, eine Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg, die auch – leider, muss man sagen – das Drehbuch verfasst hat, wollte jedoch mehr. Und so motzte sie den banalen Zeitgeist-Roman zweier Journalisten um virtuelle Beziehungskisten im Zeitalter von Facebook und Twitter zu einem hochtrabenden und dialoglastigen Roadmovie mit Bedeutungsanspruch auf. Das macht den Film irgendwie sehr deutsch. Derzeit dümpelt er durch einige Programmkinos bundesweit und wird demnächst in der Reihe "Das kleine Fernsehspiel" im ZDF zu sehen sein. Spuren wird er kaum hinterlassen.

Untalentiert ist die im bayerischen Chiemgau aufgewachsene Jungregisseurin, die schon als Kind Filme machen wollte, durchaus nicht. Sie hat einen Sinn für Bilder und ästhetische Inszenierungen, vor allem, wenn sie das Plapper-Biotop der Großstadt verlässt und ihre Figuren in die wortkarge Landschaft entlässt, wo sie wahlweise wie störende Fremdkörper oder lausige Statisten in einer grandiosen Bühneninszenierung wirken. Dann gelingen ihr filmische Momente von eindringlichem, so gar nicht zeitgeistigem Reiz. Gar nicht klappen wollen die dramaturgischen Verklammerungen, daneben sind leider die Dialoge. Dennoch: Man nimmt Hannah Schweier durchaus ab, dass sie sich dem großen Bla-Bla des Kinos der Berliner Schule bewusst entziehen will, dass sich  hinter diesem auf Filmhochschulniveau verkorksten, irgendwie fremdbestimmten kleinen Film ein großes Talent verbirgt. Vielleicht ist die große epische Geste ihre Domäne, das Schweigen und Zeigen eher als das Plappern und Deuten. Leider kann sie es in diesem Projekt nur ansatzweise unter Beweis stellen.

Völlig im Stich gelassen wird die unerfahrene Regie-Anfängerin von ihren beiden männlichen Hauptdarstellern. Und das ist tödlich für einen Debüt-Film. Die beiden eher durch Auftritte in TV-Serien und auf Theaterbühnen als auf der Leinwand bekannten Schauspieler Clemens Schick ("James Bond 007: Casino Royale", Mini-Rolle als Schurke) und Peter Weiss ("Wie Licht schmeckt") sind sich optisch und vom Typ her sehr ähnlich, mit kantigen, ausdrucksstarken Gesichtern, durchdringendem Blick und einem sehr exaltierten, ich-fixierten Spiel, das sich weniger um das Zusammenspiel mit den Kollegen als um die Präsentation der eigenen schauspielerischen Fähigkeiten müht. Als Hamlet auf der Bühne oder als Bösewicht in Film und Fernsehen mag das angehen, in einem kleinen Roadmoavie bleibt der Grad zwischen Overacting und Knallchargerei sehr, sehr schmal. Da hilft es auch nichts, dass der überraschende Twist am Ende dem seltsamen Gebaren des verklemmt-überspannten Duos auf Selbstfindungstrip eine dramaturgische Bedeutung zuweist. Insgesamt stört auch die wehleidige Selbstbespiegelung des nervenden "Zwillingspaares" wider Willen. Die junge Schauspielerin Anne Schäfer hingegen überzeugt als Objekt der Begierde in der Rolle der Maria und vermeidet Allüren. Sie hat genau verstanden, was ihr die Rolle, hinter der sie nahezu verschwindet, abverlangt: nichts als bespielbare Projektionsfläche postpubertärer verschwurbelter Männterfantasien zu sein.

Mit zwei weniger eitlen Hauptdarstellern hätte der Film vielleicht gerettet werden können.  Wer auf die Idee kam, den Uralt-Schlager "Willst du mit mir geh´n" der israelischen Chanteuse Daliah Lavi als musikalisches Leitmotiv zu recyceln, dem sollte zur Strafe eine 24-Stunden-Dauerberieselung mit diesem Vokalwerk aufgebrummt werden.
Filmkritik von mkrispien

Sag es weiter



Bilder / Fotos

Cindy liebt mich nicht

© av medien penrose / C. Laube / A. Bader

Kommentare

Derzeit sind keine Kommentare vorhanden!

Einen Kommentar schreiben

Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!

Name
eMail (wird nicht veröffentlicht)
What is 73 + 77 - 21 =  
Bitte Sicherheitscode in das rechte Feld eintippen.



Trailer abspielen
Trailer zu Cindy liebt mich nicht abspielen

Steckbrief
Regie
Hannah Schweier

Darsteller
Anke Schubert, Anne Schäfer, Christina Große, Clemens Schick, Dirk Schoedon, Edgar M. Böhlke, Jacques Malan, Peter Weiss

Genre
Deutscher Film, Drama
Gastkritiken
Anzeige

Filmfacts
Herstellungsland
Deutschland




Benutzername

Passwort

Anzeige