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Chloe| Kritik 4/10

Kinostart
22.04.2010



Handlung

Catherine (Julianne Moore) ist eine erfolgreiche Ärztin und schon lange glücklich mit dem attraktiven Musikprofessor David (Liam Neeson) verheiratet. Doch mit den Jahren kam auch die Unsicherheit. Um die Treue ihres Mannes zu testen, heuert sie die betörende Chloe (Amanda Seyfried) an, ein Luxus-Callgirl. Chloe berichtet bald von ihren leidenschaftlichen Treffen mit David. Doch anstatt ihren Mann zur Rede zu stellen, trifft Catherine sich immer öfter mit Chloe, schockiert und gleichermaßen fasziniert von ihren erotischen Berichten. Catherine begreift nicht, auf welch gefährliches Spiel sie sich einlässt.


Filmkritik | Chloe

Dem Namen Chloe haftet etwas leicht Schlüpfriges, Frivoles an; ein französisches Parfum heißt so, aber auch eine Reihe von Pornodarstellerinnen. In der Antike stand Chloe für das Leben schlechthin, im Barock für galante Erotik. Derzeit ist der Name, der mehr verspricht als er hält, sehr populär im englischen Sprachraum, viele Pop- und Filmsternchen heißen so. Was lag da näher, als "Chloe" zum Titel eines erotisch aufgeladenen Zeitgeist-Films zu machen? Herausgekommen ist ein parfümierter und kunstgewerblich inszenierter "Erotik-Thriller".

2003 hat die französische Filmemacherin Anne Fontaine ("Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft") einen Film gedreht, auf dem "Chloe" basiert, mit Fanny Ardant, Emmanuelle Béjart und Gérard Dépardieu in den tragenden Rollen. Der Film geht auf sehr französisch-unverkrampfte Weise mit seinem Thema um, die Nutte sieht auch so aus wie eine und erledigt ihren Job als erotischer agent provocateur eines untreuen Ehemannes routiniert und professionell. Für Psycho-Spielchen oder gar Küssen mit der überspannten Auftraggeberin bleibt kaum Zeit; dafür viel fürs Abzocken der Kundin. Und die käufliche Liebe wird, wie es sich gehört, im Puff und nicht im Palmenhaus des Botanischen Gartens abgewickelt. Eine kleine Geschichte über die Liebe, die Ehe und ihre Fallstricke. Der Film heißt schlicht "Nathalie", ein Allerweltsname in Frankreich. "Chloe" will mehr. Und wie immer, wenn ein Film mehr sein will, als der dünne Plot hergibt, wird aus dem brüllenden Löwen ein Papiertiger.

Regisseur Atom Egoyan ("Wahre Lügen", "An ihrer Seite") gilt in seiner Heimatstadt Toronto als Star unter den ambitionierten Arthouse-Regisseuren. Der Kanadier mit den armenischen Wurzeln gehört zu jenem Typ von Regisseuren, die von den Kritikern geliebt, von Festivals gehätschelt und mit Preisen überhäuft, vom Publikum allerdings eher mit Zurückhaltung aufgenommen werden. Kassenschlager werden seine Filme selten. Zu schwerblütig, zu kompliziert, zu artifiziell sind die Filme, die immer um dasselbe Thema kreisen: Paarbeziehungen, ihr Gelingen oder ihr Scheitern. Die große Geste, das Hochtrabende und Pathetische aus nichtigem Anlass stehen seinen hochkünstlichen Beziehungs-(Schein)Gefechten dabei oft im Weg. Vor allem: Egoyans Filme sind absolut ironiefrei. Das macht sie – im Gegensatz zu den auch komplizierten, aber höchst vergnüglichen Werken von Altmeister Alain Resnais ("Vorsicht Sehnsucht") - so schwer genießbar.

Unwirklich und ungemein kalt und künstlich wirken die Kulissen, in denen der Regisseur  seine Filmmenschen wie somnambule Schachfiguren agieren lässt. Können sich eine Frauenärztin und ein Musikdozent wirklich ein derart bis zur Klobürste durchgestyltes Mega-Designer-Luxusanwesen von bombastischen Ausmaßen leisten? Wohl kaum. Dann müssten beide ungemein emsig und geschäftstüchtig in ihren jeweiligen Berufen sein. So wirken allerdings weder der schlaffe Opernfreund David (sehr lustlos: Liam Neeson, "Kampf der Titanen") als fremdgehender Gatte noch die überspannte, selbstunsichere und beständig um ihr Seelenheil kreisende Catherine (zuverlässig rollenstark wie stets: Julianne Moore, "A Single Man"). Einen Grund für ihr Treiben gibt es ebenso wenig wie für das seltsame Gebaren der blutleer und ein wenig kuhäugig wirkenden Buttermilchschönheit Chloe (sichtlich bemüht um Seriosität: Soap-Star Amanda Seyfried, "Jennifer's Body - Jungs nach ihrem Geschmack"). Ein Luxus-Callgirl mit ihren psychischen Problemen würde es in diesem knallharten Job nicht weit bringen.

Fazit: Atom Egoyan ist ein guter Schauspielerführer, versteht es, seine Stars zum Leuchten zu bringen. Daher reißen sich viele Hollywoodgrößen, die ihre Karriere im Charakterfach aufpolieren wollen, um Rollen in seinen Filmen, auch wenn´s kein Treffer an der Kinokasse wird. Als Regisseur hat er sich diesmal verhoben: Hitchcock und Ingmar Bergmann in einem Film, das musste schief gehen. Aber Toronto ist eine tolle Stadt.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Chloe

© Kinowelt Filmverleih & Arthaus

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Steckbrief
Regie
Atom Egoyan

Darsteller
Amanda Seyfried, David Reale, Julianne Moore, Laura Decarteret, Liam Neeson, Max Thieriot, Meghan Heffern, Mishu Vellani, Nina Dobrev

Genre
Drama, Thriller
Gastkritiken
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Drehorte
Filmfacts
Herstellungsland
Frankreich, Kanada, USA




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