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Captain America: The First Avenger| Kritik 7/10

Kinostart
18.08.2011



Steve Rogers (Chris Evans) wird vom Militär ausgemustert. Nicht tauglich als Soldat - so heißt es. Doch ihm wir angeboten bei einem geheimen Militärprojekt als Proband mitzumachen. Steve sagt zu und wird zu Captain America transformiert um die Ideale der Vereinigten Staaten zu verteidigen.

Captain America ist die Adaptation einer gleichnamigen Marvel-Comicreihe für die große Kinoleinwand. Der Hauptdarsteller Chris Evans hat bereits in Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer einen Comichelden gespielt. Indirekt angekündigt wurde der Marvel-Film bereits in den Iron Man Filmen.


Handlung

In ganz Europa tobt der Zweite Weltkrieg und richtet unendliche Verwüstung an. Der junge Steven Rogers (Chris Evans) ist fest entschlossen, sein Land im Kampf um Frieden und Freiheit zu unterstützen, doch seine Körperkraft reicht für den gefährlichen Kriegseinsatz nicht aus. Unbeirrt stellt er sich nach seiner Ausmusterung für eine mysteriöse Versuchsreihe zur Verfügung: Das „Super-Soldier"-Programm macht aus dem unscheinbaren Mann eine unschlagbare menschliche Waffe - Captain America ist geboren! Kaum ist der neue Kriegsheld auf dem umkämpften Kontinent angekommen, steht ihm die bisher größte Prüfung seines Lebens bevor: Der Kampf gegen Nazi-Agent Red Skull (Hugo Weaving), der als absolut unbesiegbar gilt. Um ihn zu stoppen, muss Captain America sich selbst opfern...


Filmkritik | Captain America: The First Avenger

Der Comicverlag Marvel praktizierte bis in die frühen 2000er Jahre einen Ausverkauf der eigenen Superhelden, erfreute sich an den gut bezahlten Tantiemen und beschränkte sich ansonsten darauf, zu beobachten, wie die großen Hollywoodstudios aus den zellulose Comics echte Zelluloid-Helden machte. Mit einigen der übriggebliebenen Figuren wollte der Verlag den Spieß umdrehen und eigene Filmreihen gründen, die über einen besonderen Vorteil verfügen sollten: Ein einziges, filmübergreifendes Marvel-Universum, in dem alle Helden Hand in Hand agieren können. „Captain America“ stellt den Nachzügler dieses Masterplans dar und bildet gleichzeitig einen vielversprechenden Startschuss.

Was den Patrioten auszeichnet, ist sein nostalgisches Flair, was sicherlich dem Regisseur Joe Johnston zu verdanken ist, der bereits mit seiner schändlich unterschätzten Comicadaption „Rocketeer“ ähnliche Wege beschritt. In der ersten Hälfte lebt „Captain America“ zudem von einer klassischen Abenteuerromantik, die irgendwo zwischen einem Errol Flynn und Indiana Jones zu suchen ist. Der Held ist stets Herr seiner Lage und in seiner Tugendhaftigkeit unübertroffen, die Bilder verlieren nie ihre verklärende Wirkung und der Schrecken des Feindes beschränkt sich auf böse Blicke und altmodische Machtparolen. Kein Zweifel, eine solche Konzentration von guten, altmodischen Filmwerten verfehlt nicht nur nicht ihre Wirkung, sondern hebt sie auch von so manchem hyperaktiven Genrekollegen ab. Die Action ist in ihrer „Larger than life“-Prämisse kaum zu überbieten, nichts anderes erwartet man schließlich von einem Superhelden, der sich im zweiten Weltkrieg gegen Hitlers Schergen stellt.

Zur allgemeinen Beruhigung, „Captain America“ wurde nicht das patriotische Filmpamphlet, das einige aufgrund des Namens vielleicht erwarteten. Der Titel allein dürfte besonders außerhalb der US-amerikanischen Grenzen für tiefes Stirnrunzeln gesorgt haben. Aber Cap - wie der Held liebevoll in Fankreisen genannt wird -  war selbst zu seinen besten Comiczeiten kein einfältiger Flaggenhisser, sondern entwickelte auch ein ambivalentes und selbstironisches Verhältnis zu Onkel Sam. Auch wurden seine Gegner zusehends fassettenreicher. Leider eine Entwicklung, die die Filmemacher ignorierten, das Feinbild in der filmischen Umsetzung ist trotz Hugo Weavings gewohnt soliden Verkörperung des Bösewichts mehr als nur simpel ausgefallen. Filmnazis waren in Unterhaltungsfilmen ohnehin stets Karikaturen ihrer selbst, nicht erst sei Indiana Jones. Trotzdem hätte mehr Variation in der Darstellung des Faschismus dem Film gut gestanden. Generell wirken die Handlung und die Filmfiguren zu sehr dem Blockbusterschema angepasst. Auf wenige Charaktereigenschaften reduziert, alle notwendigen und vorhersehbaren Handlungspunkte abarbeitend, ließen die Macher dem Film keinen Raum, um mehr zu sein als „nur“ ein Fließbandprodukt. Darüber vermag selbst die in der ersten Hälfte des Films ausgeprägte Selbstironie nicht hinwegzutäuschen. Die infantile Schwarzweiß-Denkweise und sein erschreckend einfallsloser Showdown kosten den Film zusätzliche Sympathiepunkte. Ein unnötiges Ärgernis ist außerdem die Untergrabung der finalen Auflösung durch den vorangestellten Prolog. Dessen Daseinszweck besteht einzig darin, den grundsätzlich gelungenen und notwendigen Brückenschlag zu den anderen Marvelfilmen zu spoilern.

Captain America“ bietet mit seiner Interkonnektivität innerhalb des Marvel-Universums eine bunte Schatzkiste für alle Comicfans und schürt die Vorfreude auf das 2012 startende Superheldentreffen „The Avengers“ (Abspann-Sitzenbleiber werden erneut entlohnt), sollte aber auch dem unbedarften Kinopublikum Spaß bereiten. Doch zeitgemäßes Blockbusterkino muss auch inhaltlich die Zweidimensionalität durchbrechen, was Cap nicht gelingt. Apropos: Die 3D-Stereoskopie ähnelt einem konvertierten Schuhkarton-Theater. Lediglich bei VFX-Szenen kommt etwas Räumlichkeit ins Spiel. Ungefähr ein Fingerhut breit...


Filmkritik von Orlindo Frick

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Bilder / Fotos

Captain America: The First Avenger

© Paramount Pictures International

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