Bon appétit - Filmkritik | kulthit.de 
Die Filmkritik Community!

Suche
Start » Filmarchiv » Filmkritik

Bon appétit| Kritik 3/10

Kinostart
25.11.2010



Handlung

Hanna (Nora Tschirner) ist eine begabte Sommelière und Geliebte des erfolgreichen Restaurantbesitzers Thomas (Herbert Knaup), Daniel (Unax Ugalde) kommt aus Bilbao und verfolgt ehrgeizig seine Karriere als Sternekoch im Schweizer Nobelrestaurant. Mit dem Italiener Hugo (Giulio Berruti) verbindet beide eine enge Freundschaft. Als Daniel und Hanna sich näher kommen, gerät ihr Leben durcheinander. Erst nach turbulenten Umwegen über Spanien und Deutschland finden sie zueinander. Sie erkennen: Man muss im Leben mit allem rechnen – auch mit dem Schönen!


Filmkritik | Bon appétit

Spitzenköchen eilt bekanntlich der Ruf voraus, zur Exzentrik zu neigen. Divenhaftes Benehmen der Helden am Herd zwischen Schaumsüppchen, Krebsschwänzen und Champagnersorbet wird vom Publikum genüßlich goutiert. Kein Wunder, dass der Film das Klischee von den eigenwilligen Männern – und seltener Frauen – mit den goldenen Löffeln längst für sich entdeckt hat und entsprechend verwurstet. Nicht immer auf 4-Sterne-Niveau.

Kino-Kochen mit Stars ist derzeit im deutschsprachigen Film angesagt wie nie, vor allem in der Komödie. Je exzentrischer und exotischer der Koch, spielfreudiger und komischer sein Darsteller, umso so größer das Vergnügen. Filme wie „Tandoori Love“ und „Soul Kitchen“ sind Beispiele dafür. Faustregel, so scheint es: Der durchgeknallte Küchenchef muss Ausländer sein.

In „Bon appétit“ werden wir jetzt auf Spanisch-Deutsch-Schweizerisch bekocht. Allerdings von einem Koch, der weder komisch noch exzentrisch, sondern total normal daher kommt. Er kocht halt, lebt und liebt, so what. Alles auf hohem Niveau. 4 Sterne, 6 Kochmützen oder was auch immer. So will es das Drehbuch, so will es die Regie und so befolgt es der kochende Hauptdarsteller. Wen interessiert das? Keine Ahnung. Wem geschmacksneutrale Designer-Küche aus hochwertigen, aber langweiligen Zutaten mundet, wird sich an den schönen Bildern und modisch gestylten Menschen gerne satt sehen. Alle anderen gehen halb verhungert nach Hause und ziehen sich auf DVD „Das große Fressen“ rein.

Ausländer im kitschpostkartenschönen Zürich, wo dieser faltenfreie Zeitgeist-Film vorrangig spielt, ist unser Meisterkoch immerhin: ein Spanier, genau genommen ein Baske aus Bilbao. Das stört aber nicht groß und wirkt sich nur am Rande auf die Filmhandlung aus. Der Liebes-Koch in den Schweizer Bergen hätte genauso gut ein Franzose oder ein Holländer sein können. Das ist von den Filmemachern so gewollt, die offenbar partout und mit dem Schaumlöffel gerührt einen „europäischen“ Film abliefern wollten. Ein Clash of Cultures, wie er zwischen diesen doch sehr unterschiedlichen Menschen aus Deutschland, Italien, Spanien und der Schweiz passieren könnte, findet nicht statt. Und dass das Leben von abhängigen „Gastarbeitern“ im Gastronomiegewerbe in der schönen Schwyz derart easy going, stromlinienförmig  und bar jeder Problematik außer Herzschmerz und Heimweh abläuft, scheint unwahrscheinlich. Interessiert den Film auch gar nicht, denn sein Augenmerk liegt ausschließlich darauf zu zeigen, wie gut in der Schweiz gekocht wird, wie schön Zürich ist und wie die Liebe auch bei Koch und Sommelière immer durch den Magen geht. Was dabei heraus kommt, ist letztendlich ein Einheitsbrei, im Kino wie im Leben.

Das Erstaunliche an diesem belanglosen, in seinen seichten Dialogen an Seifenopern wie GZSZ erinnernden Film ist die Tatsache, dass ein Spanier Regie führte, und Spanier an dem Drehbuch bastelten. Sind wir doch aus Iberien herrlich schräges, gerne auch geschmacklos-schrilles Kino gewohnt und lieben die spanischen Filmemacher gerade wegen ihrer knallbunten Exzentrik. Nichts davon in diesem windelweichen Werk, das statt einer saftig-feurigen Paella Zürcher Geschnetzeltes serviert, bei dem der Koch das Nachwürzen vergessen hat. Das Kopfschütteln im Kino nimmt kein Ende, wenn der Name des Regisseurs auf der Leinwand erscheint: David Pinillos, auf dem Regiestuhl ein Greenhorn, hat doch tatsächlich, man glaubt es kaum, bei dem saftigen Geniestreich „Gordos - Die Gewichtigen“ am Schneidetisch gestanden. Auch in diesem Film ging es um Kochen und Essen – direkt, ungeschönt und herrlich versaut. Sein Regie-Debüt, ein wenig holperig in Szene gesetzt, gerät dem Cutter-Regisseur zu einer verzagten Hänsel-und-Gretel-Telenovela im Adventskalender Format.

Und die Schauspieler? Sie geben ihr Bestes, kommen aber irgendwie nicht aus dem Quark und agieren mit angezogener Handbremse. Nora Tschirner („Zweiohrküken“) ist süß und lieb, wie wir sie kennen – aber Weinexpertin?? Herbert Knaup („Jerry Cotton“) will als fieser Besitzer eines Schweizer Sterne-Restaurants so gar nicht überzeugen und der sympathisch wirkende Baske Unax Ugalde („Goya’s Geister“) als hoffnungsvoller Nachwuchskoch bleibt unter seinen Möglichkeiten. Für die ansonsten schmerzlich vermisste Prise Sex sorgt der schöne  Römer und Westentaschen-Alain Delon Giulio Berruti („Deadly Kitesurf“) als Hugo. Da wird es dann doch noch heiß am Herd.


Filmkritik von mkrispien

Sag es weiter



Bilder / Fotos

Bon appetit

© Warner Bros. Pictures Germany

Kommentare

Derzeit sind keine Kommentare vorhanden!

Einen Kommentar schreiben

Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!

Name
eMail (wird nicht veröffentlicht)
What is 81 / 4 =  
Bitte Sicherheitscode in das rechte Feld eintippen.



Trailer abspielen
Trailer zu Bon appétit abspielen

Steckbrief
Regie
David Pinillos

Darsteller
Daniel Alonso, Elena Irureta, Giulio Berruti, Herbert Knaup, Nora Tschirner, Sabina Schneebeli, Susana Abaituna Gómez, Unax Ugalde, Xenia Tostado

Genre
Komödie, Romantik
Gastkritiken
Anzeige

Filmfacts
Herstellungsland
Spanien, Deutschland, Schweiz




Benutzername

Passwort

Anzeige