Black Swan - Filmkritik | kulthit.de 
Die Filmkritik Community!

Suche
Start » Filmarchiv » Filmkritik

Black Swan| Kritik 6/10

Kinostart
20.01.2011



Handlung

Die junge, aufstrebende Ballerina Nina (Natalie Portman) erhält die Rolle ihres Lebens: In „Schwanensee“ soll sie sowohl den unschuldigen weißen als auch den dämonischen schwarzen Schwan verkörpern. Während sie die perfekte Besetzung für den weißen Schwan ist, muss sie für den Gegenpart der Figur lernen loszulassen und die dunkle Seite in sich hervorbringen. Angetrieben von dem charismatischen Ballettdirektor Thomas Leroy (Vincent Cassel) versucht sie verzweifelt ihre Blockaden zu überwinden. Ausgerechnet die neue, attraktive Kollegin Lily (Mila Kunis) hat all das, was Nina zu fehlen scheint. Droht Nina sogar die Rolle an Lily zu verlieren? Ninas Verzweiflung wächst und sie stößt einen ebenso befreienden wie selbstzerstörerischen Prozess an, bei dem die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Aber ungeachtet aller Gefahren treibt Nina ihre Vorbereitungen für die Premiere des Stücks weiter – denn für sie zählt nur eines: Vollkommenheit.


Filmkritik | Black Swan

Ja, sie ist gut. Und ja, sie wird höchstwahrscheinlich für diese Rolle den Oscar bekommen. Auch, wenn man ihr in jeder Filmszene anmerkt: Ja, ich war fleißig und ich habe mich unheimlich angestrengt, so gut zu sein. Die Rede ist von Natalie Portman („New York, I love you“), dem Star des Psychothrillers „Black Swan“.  Die Oscar-Jury liebt bekanntlich  Schauspielerinnen, die in einer Rolle über sich hinaus wachsen, vorbereitet wie ein Samurai in den Krieg namens Dreharbeiten ziehen und die Sache beinhart durchziehen. Filmschauspielern als Schwerstarbeit. So kam einst auch eine Hilary Swank („Million Dollar Baby“, „Amelia“) an ihren Oscar. 2011 könnte es Miss Portman sein.

Um es gleich klar zu stellen: Aus diesem Streifen ziehen vor allem diejenigen unter den Zuschauern Gewinn, die entweder erklärte Fans von Natalie Portman sind oder ein Faible für Hochglanz-Kino haben, bei dem der Inhalt ganz und gar der Form untergeordnet wird. Ballettfreunde oder Liebhaber subtiler Psycho-Studien auf der Leinwand sollten sich das Anschauen schenken oder das Ganze zumindest nicht allzu ernst nehmen. Im Grunde genommen ist die grobgeschnitzte Geschichte um eine überspannte Hupfdohle in New York City absoluter Quatsch und wirkt irgendwie retro. Regisseur Darren Aronofsky beutet die schon als Tschaikowsky-Ballett abgedroschenene Story um die Liebe zu dritt am Schwanenteich brutal für ein grobschlächtiges Spektakel in der angestaubten Welt der Tutus aus. Wo tanzt man denn heute in New York noch „Schwanensee“? Der mit dem Hackebeil gezeichneten Schizophrenie-Studie um weißes und schwarzs Tanzgeflügel in Gestalt einer geisteskranken Tänzerin stutzt der Filmemacher derart die Federn, dass man sie getrost beiseite lassen kann.

Am besten kommt man durch den Film, indem man sich willenlos den filmästhetischen Mätzchen hingibt, das Gehirn ausschaltet und sich einfach dem Rausch der Töne und Bilder hingibt. Ob da nun eine Natalie Portman oder sonst eine Diva von Kameramann und Cutter in einem Höllenritt durch die Kulissen gejagt wird, ist dann sowieso egal. Hinterher empfiehlt es sich, längere Zeit auf eine nackte Wand zu starren, möglichst in vollkommen geräuschloser Umgebung, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Wer sich im Kinosessel nicht so gerne manipulieren lässt, wird den Film nicht mögen.

Wer die Arbeit des New Yorker Regisseurs Darren Aronofsky („The Wrestler“) kennt, weiß: Dieser Filmemacher hält weder was von einer subtil angelegten Geschichte noch von einem ausgewogenen Verhältnis von Form und Inhalt. Seine Filme sind Orgien einer entfesselten, suggestiven Druck auf den Zuschauer ausübenden Montagetechnik, eine Melange aus manipulativem Tönegedröhne und nervenzerrenden Kamerafahrten,  wobei die Story eher lästiges Beiwerk ist. Der Filmemacher gilt als Meister der sogenannten Hip-Hop-Technik mit extremen, rasend schnellen Schnitten und einem extrem überzogenen Einsatz des Zeitraffers. Und auch Miss Portman wird vermutlich ihre Pirouetten mit vor dem Bauch gebundener Kamera, der sogenannten Snorricam absolviert haben, um in den wild gewordenen Kulissen todestrunken zu versinken. Mit Schauspielkunst hat das alles wenig zu tun, und Kritiker, die von Portmans „Wandelbarkeit“ und beeindruckender Performance in dieser Rolle schwärmen, übersehen dabei: Diese Wandelbarkeit ist ein einziges manipulatives Werk der Technik. Eigentlich braucht die Schauspielerin nichts weiter zu tun als irre zu gucken,  sich wechselweise schminken und abschminken zu lassen, zu tanzen (wobei unklar bleibt, ob sie wirklich tanzt oder sich eines professionelles Doubles bedient) und sich den Anweisungen der Regie zu fügen. Das allerdings macht sie perfekt.

An der Geschichte nervt vor allem, dass wieder einmal mehr die dominante, durchgeknallte Übermutter (unterfordert: Barbara Hershey) als Sündenbock allen Übels herhalten muss. Hier bedient sich Aronofsky, dem nicht ganz zu unrecht eine Art Selbstbedienungsmentalität beim Plündern der Werke von berühmten Kollegen nachgesagt wird, schamlos bei Brian De Palmas Meisterwerk „Carrie“. Auch Psychothriller-Ikonen wie Nicholas Roeg, Alred Hitchcock und David Lynch werden bemüht, ohne dass Aronofsky auch nur ansatzweise an deren filmerzählerische und gleichzeitig technisch ausgereifte Brillanz heran reichte. Dass der Film wie bislang alle Werke des New Yorkers in Europa, vor allem in Venedig, mehr Aufmerksamkeit erregte als in der Heimat, stimmt nachdenklich. Auf den Oscar für Miss Portman ist dennoch zu wetten.


Filmkritik von mkrispien

Sag es weiter



Bilder / Fotos

Black Swan

© 20th Century Fox

Kommentare


Flo
01.06.2012, 11:54:55
Also, ich habe mir gestern Abend diesen Film angeschaut und war seit der ersten Minute gefesselt und interessiert!
Ein riesen Lob erhält auf jeden Fall Natalie für diese hervorragende Leistung, so einen Psycho-Film so toll verinnerlicht zu haben! Sie war einfach brilliant und hat diese Rolle so gut gemeistert, wie sonst kaum eine Schauspielerin! Die Story ist sehr fesselnd und der letzte Abschnitt einfach nur packend und sehr aufregend. Meines Erachtens ist der Film wirklich erst ab 18 zu genießen, da er doch für manch 16 jährige sehr nervenaufreibend und ein wenig zu extrem sein kann. Für mich: Der beste Film, den ich je gesehen habe! Hut ab !
casey und jojo
20.02.2012, 23:49:59
gruselig dumm geil psycho petvers usw
Sax76
11.03.2011, 14:09:33
Selten habe ich mit einer Filmkritik so wenig übereingestimmt, wie die vorliegende.

Black Swan ist seit langem mal wieder ein Film der von der ersten Sekunde zu fesseln weiß und den Zuschauer bis zum letzten Satz nicht wieder los lässt.

Wer den Inhalt dieses vielschichtigen Films als "grobschlächtiges Spektakel in der angestaubten Welt der Tutus" beschreibt, hat den Film offensichtlich nicht verstanden.

Es stimmt, dass dieser Film zuweilen sich wie eine Achterbahn ansehen lässt, jedoch ist dass die gewollte Verdeutlichung des immer schneller werdenden Strudels einer gequälten Psyche in den die Protagonistin und die Zuschauer hinein gerissen werden. Untermalt wird diese Achterbahnfahrt des kaleidoskopartigen Abstiegs in die Unterwelt der eigenen Gefühle von einem hinreißenden passenden Soundtrack von Clint Mansell und natürlich Tschaikowskys Schwanensee.

Portman wiederum versteht es sowohl die zerbrechliche, von Selbstzweifeln geplagte Nina als auch den am Ende aus ihr herausbrechenden Vamp zu verkörpern, ohne dass man auch nur eine Sekunde an der Glaubwürdigkeit zweifeln würde.

Wer hier nur tanzen und eine "dominante, durchgeknallte Übermutter" sieht, hat - wie gesagt - den Film nicht verstanden. Dies zeigt nicht zuletzt der mehr als hinkende Vergleich mit Brian de Palmas US-amerikanischen Horrorfilm "Carrie".
JB
10.03.2011, 07:52:45
ich fand die Story spannend. Die Umsetzung allerdings etwas merkwürdig. Ich hätte gerne gesehen, dass die Darbietung perfekt gewesen ist. Dies erfährt man jedoch nur, weil das Publikum tobt und sie am Ende selber dieses Gefühl hat.

Viele Menschen meinen, sie hätte sich umgebracht. Wer mit dieser Vorstellung aus dem Kino kommt, hat nicht viel von der Geschichte begriffen
B. Schnider
06.03.2011, 20:39:52
Gehe mit der Filmkritik einig. Platte Story, marktschreierische Aufmachung und eine mühselige Anreihung von Clichés. Weit weg von der nuancierten Subtilität einer wirklich guten Psychostory. Vergewaltigung des Zuschauers pur!

Alle 22 Kommentare lesen

Einen Kommentar schreiben

Bitte beim Kommentieren auf Rechtschreibung und Grammatik achten!

Name
eMail (wird nicht veröffentlicht)
What is 87 + 35 =  
Bitte Sicherheitscode in das rechte Feld eintippen.



Trailer abspielen
Trailer zu Black Swan abspielen

Steckbrief
Gastkritiken
Anzeige

Filmfacts
Herstellungsland
USA




Benutzername

Passwort

Anzeige