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Black Forest| Kritik 2/10

Kinostart
15.04.2010



Handlung

Die beiden Pärchen Mike (Adrian Topol) und Sabine (Nikola Kastner), Jürgen (Bernhard Bulling) und Eva (Johanna Klante) machen Urlaub. Die vier sind auf dem Weg in ein abgelegenes Schwarzwaldhaus. Das Abenteuer "Simple Life" ist angesagt. Mit Vorräten und Camcorder im Gepäck, lassen sie sich vom Landrover des Verwalters die letzten unwegsamen Kilometer zum "Hexenloch" karren. Der "Wunderlehof" liegt einsam und in traumhafter Idylle inmitten eines undurchdringlichen Tannenwaldes. Die Einrichtung ist karg und primitiv. Wasser muss am Bach geschöpft werden, Elektrizität für die trüben Glühbirnen liefert ein uralter Generator. Kein Radio, kein Telefon, nur ein defekter Fernseher in der Abstellkammer. Aus Spaß fummelt der technisch begabte Jürgen an der Schrottkiste herum; wird jedoch nur mit einem harmlosen Flimmern belohnt. Doch das ändert sich!


Filmkritik | Black Forest

Deutsche können keinen Horror. Leider eine allzu bekannte Tatsache, zumindest was das moderne Kino der Jetzt-Zeit betrifft. Dabei haben in der seligen Stummfilmzeit deutsche Meisterwerke des Genres wie "Nosferatu" von Friedrich W. Murnau und "Das Kabinett der Dr. Caligari" von Robert Wiene nachhaltig Hollywood beeinflusst, bis heute. Vermutlich war der reale Horror in unserer Geschichte derart massiv, dass der Filmhorror bei uns ausgeblutet ist. Einzig Werner Herzog ("Nosferatu - Phantom der Nacht", "Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen") hat noch was davon in den Genen und könnte es. Aber der lebt ja bekanntlich jetzt in den USA. Splatter können Deutsche schon gar nicht, dafür sind Amerikaner, Italiener, Spanier und vielleicht noch die Norweger zuständig.  Und am allerwenigsten können wir das Subgenre "Backwood-Splatter", das seinen Horror aus einer archaischen Angst vor dem dunklen, tiefen Wald saugt. Wir lieben unseren Wald und freuen uns, wenn wir in ihm die 7 Zwerge treffen. Das horrorartig Beklemmende kommt bei uns traditionell aus geschlossenen Räumen, nicht aus dem Wald. Aus dem Schwarzwald schon gar nicht.

Nun hat der weitgehend unbekannte Regisseur Gert Steinheimer uns einen B(l)ackwood-Horror-Splatter-Film aufbereitet und ihn ausgerechnet "Black Forest" genannt. Wer denkt da an Horror? Allenfalls Assoziationen an Wandern, Kirschtorte und -likör sowie die Schwarzwaldklinik stellen sich ein.  Das alles weiß vermutlich auch Herr Steinheimer, ein älterer Herr von 66 Jahren, der einst im schönen Schwarzwald geboren wurde. Dennoch wollte er schon vor zehn Jahren unbedingt einen Horror-Film über den Wald seiner Heimat machen. Einen schön splatterigen, bewusst trashigen und kunstvoll-dilettantischen zumal.  Warum, bleibt sein Geheimnis, denn gerade in dieser Spielart - siehe das wohl berühmteste Beispiel des Genres, "Blair Witch Project" von Daniel Myrick und Eduardo Sánchez - tummeln sich meist jüngere Regisseure, die Splatter-Trash lustvoll und selbstironisch für ein junges, oft studentisches Publikum mit Sinn für Humor zelebrieren. Nur so funktionieren derlei Filme, und nur so haben sie sich eine kleine, eingeschworene Fangemeinde aufbauen können. An "Black Forest" ist gar nichts selbstironisch, dafür alles dilettantisch.

Wie ein versprengtes Häuflein linkischer GZSZ-Darsteller stolpert die Riege unbegabter  und unbekannter Jungmimen durch den finstren Tann, allen voran die noch am ehesten aus TV-Auftritten bekannte Johanna Klante. Was sie und ihre Mitmimen abliefern, ist so derb-dilettantisch, dass man ernsthaft erwägt anzunehmen, ob die absichtlich so schlecht spielen.  Ähnliches gilt für die grausam zerfahrene Kamera, die hilflose Dramaturgie, die unkonzentriert gesetzte Musik und den chaotischen Schnitt. Nur die Ausleuchtung, die ist ohne Ironie erstklassig: Der Regisseur ist gelernter Theaterbeleuchter. Man weiß es nicht, ob dieser handwerkliche Dilettantismus gewollt ist. Auch nicht, warum eine Kinderschaukel bedrohlich im Wind knarren muss oder das schmucke Schwarzwaldhaus ebenso vom Teufel besessen ist wie der Fernsehapparat. Alles hat eine tiefere Bedeutung, während im Splatter-Film alles einfach nur ist und nichts erklärt. Schon gar nicht das Grauen. Manchmal ist das ganz erfrischend und wie eine Powerdusche nach einem anstrengenden Tag voller aufgeladener Bedeutung. Leider packt genau die Gert Steinheimer teutonisch-gnadenlos in Drehbuch und Dramaturgie und versaut damit die ganze vom Ansatz her durchaus originelle Idee. Vor allem nervt sein hyperventilierender Rundumschlag gegen die bösen Medien, unter anderem Kochsendungen, die an allem schuld sein sollen.  Selbst eine vergiftete Pilzsuppe bekommt so höhere Weihen. Na sowas. Das kann man nur mit einer Extra-Portion Humor nehmen oder man verlässt vorzeitig die Vorstellung.

Fazit: Entweder wird dieser Film der Kult oder der Flop der Saison.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Black Forest

© Kinostar Filmverleih

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Steckbrief
Regie
Gert Steinheimer

Darsteller
Adrian Topol, Andreas Hoppe, Bernhard Bulling, Christian Begyn, Hans Joachim Weiser, Johanna Klante, Katharina Herrmann, Mala Mselmani, Nikola Kastner

Genre
Deutscher Film, Thriller
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Herstellungsland
Deutschland




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