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Besser geht's nicht| Kritik

Kinostart
1997



Melvin Udall (Jack Nicholson) ist ein rechtes Ekel, alleinstehend, griesgrämig und ohne Freunde. Er hat an allem und jedem etwas auszusetzen, ganz besonders jedoch an seinem Nachbarn, dem homosexuellen Simon Bishop (Greg Kinnear) und dessen Hund. Sein einziges Vergnügen besteht darin, allmorgendlich im Restaurant zu frühstücken und sich dort immer von derselben Kellnerin, Caroll Conelly (Helen Hunt) bedienen zu lassen, für die er heimliche Sympathien hegt, die jedoch nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. Im Gegenteil, sein Benehmen trägt ihm eines Morgens um ein Haar Hausverbot ein, und zum ersten mal ringt er sich durch, Caroll anzusprechen.

So beginnt die wundersame Verwandlung eines Ekels in einen (zumindest halbwegs) normalen Zeitgenossen, und man kann sich schon an dieser Stelle vorstellen, wie es weitergehen wird. Die Geschichte steuert auf ein vorhersehbares Ende zu, aber bis dahin muss der Zuschauer noch gute zwei Stunden lang über sich ergehen lassen, wie Melvin sich so danebenbenimmt, dass es schlimmer kaum vorstellbar ist. Wäre der Film eine halbe bis eine dreiviertel Stunde kürzer gewesen, hätte vielleicht etwas daraus werden können, aber mit 138 Minuten Laufzeit ist er definitiv zu lang geraten. Streckenweise zieht sich die Handlung so zäh dahin wie ein ausgekauter Kaugummi, während Melvin von einem Fettnapf in den nächsten tappt. Besonders originell sind seine Gemeinheiten auch nicht, man hat den Eindruck, die Autoren hätten zuerst den Knigge gelesen und dann alles, was man auf gar keinen Fall tun sollte, in ihr Drehbuch aufgenommen.

Man fragt sich, warum der Film Besser geht's nicht für sage und schreibe sieben Oscars nominiert wurde, von denen er zwei gewonnen hat. Helen Hunt als beste Schauspielerin mag noch angehen, sie bewahrt den Zuschauer meistens davor, tatsächlich einzuschlafen. Ihre Streitgespräche mit Melvin sind einer der Lichtblicke im Film, aber leider sieht das Drehbuch vor, dass sie letztendlich vor dem vermeintlichen Charme ihres Quälgeistes kapitulieren muss.

Warum Jack Nicholson den Oscar als bester Schauspieler gewonnen hat, ist indessen ein Rätsel. Im Grunde genommen spielt er dieselbe Rolle wie immer, und man fragt sich, wie viel schauspielerische Leistung überhaupt dahintersteckt. Man hat nicht den Eindruck, dass er sich besonders anstrengen müsste, um das Ekel herauszukehren, aber vielleicht besteht darin ja wirklich seine überragende Leistung in diesem Film. Die Jury wird es wissen, auch wenn es für andere nicht ganz nachvollziehbar ist. Auch wenn so mancher sich vielleicht wünscht, sich ungestraft einmal so richtig danebenbenehmen zu können, wirken manche Szenen einfach nur peinlich.

Wer sich während der ersten zehn Minuten fragt, ob er endlich einmal einen Hollywoodfilm zu sehen bekommt, in dem ein Hund das Nachsehen hat, wird ebenfalls enttäuscht. Das übertrieben niedliche Haustier ist als Subplot ebenso überflüssig wie die Wunderheilung von Carolls krankem Sohn, beides zerrt nur an den Nerven des Zuschauers, jedenfalls dann, wenn dieser kein spezieller Hundenarr ist. In diesen Punkten folgen die Drehbuchautoren wieder einmal dem üblichen Schema, dass Kindern und Tieren auf keinen Fall etwas passieren darf.

Fazit: Besser geht's nicht ist eine ziemlich zähe Komödie mit wenigen Highlights, die ähnlich überbewertet wurde wie ein anderer der diesjährigen Oscarpreisträger, nämlich "Good Will Hunting". Ganz nett anzusehen, wenn man nicht den vollen Eintrittspreis bezahlen muss, andernfalls kann man jedoch auch das Erscheinen auf Video abwarten, bevor man sie sich ansieht.


Filmkritik von Monika Hübner

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USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
As Good as It Gets

Budget
50 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
314 Mio. US-Dollar (weltweit)



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