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Ausnahmezustand| Kritik

Kinostart
1998



Handlung

New York wird von terroristischen Anschlägen von unerhörter Grausamkeit erschüttert. Bei den Attentätern handelt es sich ausschließlich um Selbstmordkommandos, was die Ermittlung der Urheber ziemlich erschwert. Auslöser für die Attentatswelle scheint die geheime Entführung eines vermeintlichen arabischen Terroristen durch die US-Regierung zu sein, aber ist dies wirklich der Grund? FBI-Agent Anthony Hubbard (Denzel Washington) versucht gemeinsam mit Sharon Bridger (Annette Benning), die Verbindung zu einem Informanden hat, den Fall zu lösen. Da ihre Ermittlungen zunächst weitgehend ins Leere führen und die Bombenanschläge nicht aufhören, wird schließlich der Ausnahmezustand über die Stadt verhängt und die Armee zieht unter dem Kommando von General William Devereaux (Bruce Willis) ein.


Filmkritik | Ausnahmezustand

Terroristen haben neben Aliens und den Nazis schon immer perfekte Filmbösewichter abgegeben. Der Drehbuchautor hat sich diesmal für arabische Terroristen entschieden, schließlich ist der Golfkrieg kaum zehn Jahre her, und in den Krisenherden des Nahen Ostens schwelt die Glut nach wie vor. Jeder kann sich also vorzustellen, was eine Gruppe wild entschlossener Fanatiker in einer Großstadt wie New York anzurichten vermag. Um dem Film auch akustisch die "richtige" Atmosphäre zu verleihen, wurde auf einen Soundtrack weitgehend verzichtet, dafür sind zwischendurch immer wieder Stücke arabisch klingender Musik zu hören. Sie sind wohl dazu gedacht, den Bildern mehr Intensität zu verleihen, für die Ohren eines westlichen Zuschauers sind diese klagenden - um nicht zu sagen gequälten - Töne aber eher eine Zumutung, jedenfalls dann, wenn sie aus klirrenden Kinolautsprechern kommen. Bei mir haben sie ihren Zweck jedenfalls eindeutig verfehlt.

Trotz der gekonnt inszenierten Explosionen kommt in der ersten Stunde dieses 115 Minuten langen Films keine richtige Spannung auf. Den Schauspielern ist das nicht anzulasten, sondern eher dem Drehbuch, dem zunächst einfach die Kontinuität fehlt. Man braucht zu lange, um sich in die Handlung hineinzufinden, aber vielleicht lag es auch einfach an meiner Unfähigkeit, die Handlungsfetzen sinnvoll miteinander zu verknüpfen und zu einem Strang zu verbinden.

Positiv zu vermerken wäre, dass im Drehbuch von Ausnahmezustand Platz für eine starke Frauenrolle ist. Annette Benning alias Sharon/Elise ist nicht dazu verdammt, sich ständig von ihren männlichen Kollegen retten zu lassen, sondern darf für sich selbst sprechen und handeln. Das ist leider noch immer eine Seltenheit in Hollywoodfilmen und daher durchaus der Erwähnung wert.

Wer indessen glaubt, Bruce Willis würde in diesem Film wieder einmal seinem Image als Retter der Menschheit gerecht, wird - ohne allzuviel verraten zu wollen - bitter enttäuscht werden. Er spielt diesmal nicht den Guten, sondern einen unsympathischen Offizier, der allerdings allen Vorurteilen, die jemand gegen das Militär haben mag, hundertprozentig gerecht wird. Man vermisst außerdem das für sein Auftreten in anderen Filmen typische (blutige) Unterhemd - sollte dies der Grund dafür sein, dass seine Rolle in Ausnahmezustand so wenig Biss hat? Wer indessen schon immer neugierig war, wie er in Anzug und Krawatte als Musterbürger aussieht, kann hier einen Blick darauf werfen. Aber mal ehrlich, es lohnt sich kaum. Bitte Bruce, zieh im nächsten Film wieder dein altes Unterhemd an, ja?

Abschließend ist zu sagen, dass der Film nicht ganz hält, was er versprach, denn dazu hat er einfach zu viele Längen. Auch wenn die Geschichte sicher intelligenter ist als so mancher andere Actionthriller, konnte sie ebenfalls nicht ganz überzeugen, trotz der gut gewählten Besetzung. Für Fans des Genres ist Ausnahmezustand sicher interessant, der Gelegenheitskinobesucher kann ihn jedoch getrost auslassen.


Filmkritik von Monika Hübner

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Herstellungsland
USA

Alternativ- bzw. Originaltitel
The Siege

Budget
70 Mio. US-Dollar

Einspielergebnis
116 Mio. US-Dollar (weltweit)



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