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Antichrist| Kritik 7/10

Kinostart
10.09.2009



Handlung

Ein trauerndes Paar zieht sich in ihre einsame Waldhütte "Eden" zurück. Beide kämpfen nach dem Tod des kleinen Sohnes mit Trauer und Schuldgefühlen, die in ihr (Charlotte Gainsbourg) eine Depression hervorrufen. Er (Willem Dafoe) ist Psychiater und will sie dort im Wald, vor dem sie sich so sehr fürchtet, therapieren. Doch er muss bald erkennen, dass sehr viel mehr hinter dem Verhalten seiner Frau steckt, und beide stürzen in der Abgeschiedenheit der Hütte in eine Spirale aus Sex und Gewalt.


Filmkritik | Antichrist

Wie muss es sein, wenn ein ohnehin schon extremer Regisseur durch eine schwere Depression geht? Wer sich "Antichrist", das neuste Machwerk des dänischen Kultregisseurs Lars von Trier anschaut, möchte es lieber nicht so genau wissen. Denn was hier als Psychothriller angepriesen wird, ist eines der extremsten Kinowerke, das in den letzten Monaten auf die Leinwände gekommen ist.

Wie gerne Lars von Trier seine weiblichen Hauptdarsteller quält, ist nicht erst seit Emma Watson in "Breaking the Waves" und Nicole Kidman in "Dogville" bekannt. Doch mit der fabelhaft aufspielenden Charlotte Gainsbourg durchbricht der Regisseur eine Reihe von Grenzen, die es bislang noch im Schaffen des Dogma-Mitbegründers gab. Die Gewaltdarstellungen sowie die Sexszenen sind sehr explizit und nicht für Zartbesaitete gedacht, ebenso wie die generelle Handlung doch häufiger ins Horrorgenre abrutscht als streng auf der Linie eines Psychothrillers zu bleiben, in welchem sich das Ehepaar in der Einöde des Waldes zunehmend in den Wahnsinn treibt, was nicht alleine im psychischen Terror bleibt, sondern auch brutalste, körperliche Konsequenzen mit sich bringt.

Wer bisherige Filme von Lars von Trier kennt, wird somit an einigen Stellen die Augen schließen, da man das Angedeutete und Hintergründige sonst eher zu schätzen wusste. So erschlagen einen jedoch die grausamen und gruseligen Bilder, die auch in bester Tarantio-Manier dadurch ihren Grauen noch erhöhen, indem sie regelmäßig von schönen und glatten Aufnahmen einer verzaubernden und geheimnisvollen Natur unterbrochen werden. Genau in diesen Momenten hat der Film auch seine besten Momente, da man sich als Zuschauer regelmäßig nach diesen kleinen Erholungspausen sehnt, die einen vom grausamen Treiben körperlich wie seelisch ablenken können. Umgekehrt werden Freunde des Horrorgenres mit "Antichrist" auch nicht glücklich werden, da zu selten der Horror überraschend und ungeahnt erscheint und somit die Angst permanent durch die finsteren Wälder schleicht, ohne dass sie wirklich den Zuschauer erschrecken könnte.

In seinem Charakter zu vergleichen ist der Film "Antichrist" hervorragend mit Hanekes "Funny Games" - auch diesen Film werden die Zuschauer lieben und hassen, jenachdem wie sie die Gewaltszenen und die generelle Struktur des Filmes einschätzen und empfinden. Für den neutralen Kinozuschauer bleibt hierbei lediglich zu hoffen, dass Lars von Trier seine Depressionen endgültig überwunden hat und sich in Zukunft wieder stärker um Filmprojekte kümmern kann, die etwas mehr Tiefgang besitzen und nicht mit teilweise überladenen Gewalt- und Sexdarstellungen gleichermaßen anlocken und abschrecken. Dank Charlotte Gainsbourg und der kunstvoll in Szene gesetzten Umgebungen bleibt der Film dennoch lohnenswert, wenn auch nicht für zarte Gemüter.


Filmkritik von Gastautor

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Antichrist

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Herstellungsland
Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, Polen, Schweden

Alternativ- bzw. Originaltitel
Anticristo




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