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Anaconda| Kritik

Kinostart
1997



Der Forscherdrang des Menschen kennt keine Grenzen. So macht sich ein Team aus Wissenschaftlern und Dokumentarfilmern auf ins Amazonasgebiet, um dort nach einem legendären Indianerstamm zu suchen. Mit von der Partie sind der Anthropologe Steven Cale (Eric Stoltz), der die Expedition leitet, sowie ein Kamerateam, das aus Terri Flores (Jennifer Lopez), Danny Rich (Ice Cube), Gary Dixon (Owen Wilson), Denise Kahlberg (Kari Wuhrer) und Warren Westridge (Jonathan Hyde) besteht. Sie sind noch nicht sehr weit vorgedrungen auf ihrer Reise, als sie auf Paul Sarone (Jon Voight) treffen, der mit seinem Boot in der Ufervegetation festhängt und sich aus eigener Kraft nicht befreien kann. Sie erklären sich bereit, ihn zum nächsten Dorf mitzunehmen, zumal er durchblicken läßt, daß er das Gebiet gut kennt und seinen Helfern von großem Nutzen sein kann bei ihrer Suche nach den Eingeborenen. Diese Menschenfreundlichkeit erweist sich schon nach kurzer Zeit als großer Fehler, da Sarone sich als skrupelloser Schlangenjäger entpuppt, dessen einziges Ziel darin besteht, eine Riesenanaconda zu fangen, um sie an einen Zoo zu verkaufen.

Alsbald taucht auch eine Riesenschlange auf, die sozusagen einen reichgedeckten Tisch für ihre Hauptmahlzeit vorfindet, nachdem sie sich eben mit einem mickrigen Panther als Vorspeise begnügen mußte. Es ist schon faszinierend, wie unbesorgt unsere Helden im Amazonas herumplantschen, so als würden sie sich im Swimmingpool des Nachbarn vergnügen. Wen wundert's, daß große Tiere dies als Einladung zum Festmahl mißverstehen. Unsere Anaconda läßt sich dann auch nicht lange bitten und verspeist das erste Expeditionsmitglied gleich mit Haut und Klamotten. Mahlzeit. Der erste Versuch, des Riesenbiests habhaft zu werden, geht also schief. Aber mal ehrlich, wer käme ernsthaft auf die Idee, eine Riesenschlange mit einer Angel (und sei sie auch noch so stabil) fangen zu wollen? Unser Bösewicht Sarone zeigt übrigens durchaus menschliche Züge, die jeden Tierschützer erfreuen würden, er hindert Terri nämlich daran, die Schlange zu erschießen. Dumm ist nur, daß diese gerade dabei ist, ein anderes Expeditionsmitglied zu würgen. Bei weiteren Versuchen, eine Anaconda zu fangen, wird die Expedition nach dem Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip immer weiter dezimiert.

Am glimpflichsten kommt noch Eric Stoltz bei der ganzen Sache weg, er wird nämlich gleich zu Beginn der Reise von einer riesigen Wespe außer Gefecht gesetzt und verbringt den Rest des Abenteuers in seliger Bewußtlosigkeit in seiner Koje. Man kann ihm jedenfalls nicht vorwerfen, zur außerplanmäßigen Erheiterung der Zuschauer übermäßig beizutragen, dafür sorgt der Rest der Mannschaft schon zur Genüge. An dieser Stelle sei aber darauf hingewiesen, daß, wenn gerade mal keine Anaconda zu sehen ist, sich eher gepflegte Langeweile breitmacht. Die Auftritte der wahren Attraktion des Films sind dafür umso komischer. Irgendwie erinnert die Schlange an eine Artgenossin aus einem weltweit beliebten Zeichentrickfilm, auch wenn sie eigentlich ein furchterregendes Monster sein soll. Ihre Angriffe laufen immer nach demselben Schema ab: Ein letzter hypnotischer Blick - "Schau mir in die Augen, Kleines..." -, dann windet sich sich in Windeseile um ihr potentielles Opfer, bevor sie es herunterzuschlingen beginnt. Wie sie es verschlingt, ist in den meisten Fällen nicht zu sehen. Nett anzusehen ist jedoch, wenn sie sich mit einer ausgebeulten Mitte davonschlängelt. Wer auch immer für die Special Effects verantwortlich war, hätte sich vielleicht vorher einmal in einen Zoo bemühen und ein paar Studien betreiben sollen, dann hätte seine Kreation eventuell etwas echter gewirkt. Etwas glaubhafter ist da schon das animatronische Schlangenmodell, das aber für die Würgeszenen wohl nicht zu gebrauchen war. Wer sich also den Film nur wegen der SF/X ansehen will, der kann sich dies getrost sparen, den heutigen Ansprüchen werden sie kaum gerecht.

Auf den Zuschauer, der noch die Zeitspanne des Nachspanns benötigt, um in die wirkliche Welt zurückzufinden, wartet eine Überraschung, es wird nämlich darauf hingewiesen, daß für diesen Film ein Herpetologe zu Rate gezogen wurde. Fraglich ist indessen, ob er das Endprodukt jemals gesehen hat. Daran dürften wohl berechtigte Zweifel angemeldet werden. Besonderer Dank wird u.a. auch einer renommierten amerikanischen Wissenschaftszeitschrift ausgesprochen, die hier aber ungenannt bleiben soll, da es vielleicht rufschädigend sein könnte, mit "Anaconda" in Zusammenhang gebracht zu werden. Sehr groß ist die Gefahr aber wohl nicht, da die meisten sowieso lange vor dem Ende des Nachspanns den Saal verlassen haben werden.

Welches Publikum "Anaconda" nun ansprechen will, bleibt unklar, da es sich kaum um einen ernstgemeinten Horrorfilm handeln kann. Oder etwa doch? Nun, das soll jeder selbst entscheiden.


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
Luis Llosa

Darsteller
Danny Trejo, Eric Stoltz, Ice Cube, Jennifer Lopez, Jon Voight, Jonathan Hyde, Kari Wuhrer, Owen Wilson, Vincent Castellanos

Genre
Abenteuer, Horror
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Herstellungsland
USA, Brasilien, Peru




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