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An Education| Kritik 7/10

Kinostart
18.02.2010



Handlung

1961. In einer eintönigen Londoner Vorstadt wächst die fleißige Schülerin Jenny (Carey Mulligan) auf. Ihr größter Wunsch ist es, nach der Schule einen Studienplatz in Oxford zu ergattern und später als Lehrerin ein selbstbestimmtes Leben zu führen.  Doch eines Tages lernt Jenny den mondänen Mittdreißiger David (Peter Sarsgaard) kennen, der vom ersten Moment an ihre Welt aus den Fugen geraten lässt. Sehr zu ihrer Verwunderung schafft er es, sogar ihre konservativen Eltern Jack (Alfred Molina) und Marjorie (Cara Seymour) von sich zu überzeugen und entführt Jenny in eine, ihr bisher unbekannte Welt mit Konzerten, Nachtclubs, Dinnerparties und Kunst-Auktionen. Jennys Freundinnen sind begeistert, ihre Schuldirektorin (Emma Thompson) und ihre Englischlehrerin (Olivia Williams) hingegen zutiefst davon enttäuscht, dass ihre Vorzeigeschülerin fest dazu entschlossen scheint, ihre offensichtlichen Begabungen und die sichere Chance auf eine bessere Bildung aus dem Fenster zu werfen. Und als der langjährige Traum der Familie, ihrer cleveren Tochter einen Studienplatz in Oxford zu beschaffen, endlich erreichbar scheint, wird Jenny von einem komplett anderen Leben auf die Probe gestellt.


Filmkritik | An Education

Nick Hornby ist so ziemlich der einzige Drehbuchautor, dessen Name als alleiniges Markenzeichen für Filme nach seinem Skript steht. Bei einem "Nick Hornby-Film" wird der Regisseur schlichtweg vergessen. Oder weiß noch irgend jemand, wer bei "About a Boy" Regie geführt hat? (Chris und Paul Weitz hatten die undankbare Aufgabe). So geschieht es derzeit auch mit "An Education", ein Nick Hornby-Film, dessen Skript einmal nicht auf einem Bestseller des britischen Erfolgsautors basiert. Das ist einerseits eine nette Abwechslung, andererseits sehr bedauerlich: Hornby vertraut seiner Vorlage, einer autobiografischen Skizze der britischen Journalistin Lynn Barber, nur bedingt und modelt die so gar nicht amüsante Geschichte über Lügen, Heuchelei und falsche Träume zu einer belanglosen Coming-of age-Story um – mit den üblichen Hornbyschen pseudotiefsinnigen Dialogen, die diesmal allerdings überhaupt nicht zünden wollen. Wer die gut versteckten ironischen Spitzen entdecken will, muss schon sehr gut hinhören (vor allem am Schluss...).

Regie und Darsteller hatten beim patriarchalisch den Set beherrschenden Egozentriker wenig zu Lachen, Hornby gab die Richtung vor, wie sich Lynn Barber erinnert: Eine Regisseurin schmiss entnervt die Brocken hin, Weltstar Orlando Bloom ("Fluch der Karibik", "New York, I love you"), der ursprünglich für den Part des Danny vorgesehen war, machte kurz vor Drehbeginn wegen Unzufriedenheit mit seinem Rollenprofil einen Rückzieher. Kein gutes Omen.

Die als Ersatz-Regisseurin kurzfristig eingesprungene Dänin Lone Scherfig ("Italienisch für Anfänger") gibt ihr Bestes und liefert eine solide Auftragsarbeit ab, schafft es aber nicht, dem – wie alle Hornby-Filme -  sehr konventionell inszenierten Streifen eine persönliche Handschrift zu verleihen. Es ist auch nicht anzunehmen, dass sie mit dem nahezu mythischen und überhöhten Status der Universität Oxford in der britischen Gesellschaft als Dänin etwas anzufangen weiß: Wer es nach Oxford geschafft hatte, brauchte sich zumindest noch in den 1960er Jahren um seine Karriere keine Sorgen zu machen - er war gesellschaftlich geadelt. Genau hier liegt aber der Knackpunkt der Geschichte, den Drehbuch und Regie verniedlichen: Es geht weniger um Bildung und Bücher versus das süße Leben als um den unbedingten Ehrgeiz  einer englischen Mittelschichtfamilie, wenigstens ein Mitglied auf eine höhere gesellschaftliche Ebene zu katapultieren. Oxford Oxford sein zu lassen und die 16jährige Tochter an einen doppelt so alten Lebemann zu "verkaufen", ist da nur konsequent: Er hätte, wenn er kein Hochstapler gewesen wäre, die Tochter samt Familie gesellschaftlich und finanziell noch weiter gebracht als die Elite-Uni. Bis heute, verrät Lynn Barber, hätten ihr die inzwischen greisen Eltern die verpatzte Chance nicht verziehen, der Kontakt sei so gut wie abgerissen. Was für einen Film hätten ein inspiriertes Drehbuch und eine kreative Regie daraus machen können! So wurde es in der Tat ein Nick Hornby-Film, in denen ja bekanntlich immer Alles in Friede, Freude, Eierkuchen und mit einem kleinen Augenzwinkern endet.

Die Darsteller agieren allesamt solide bis sehr gut, selbst kleinste Nebenrollen sind bestens besetzt. Strahlender Stern ist jedoch die zauberhafte und bis dato recht unbekannte Carey Mulligan ("Stolz und Vorurteil"), die ihre Rolle glaubhaft, nur vordergründig naiv und mit feinem Humor gestaltet: Kenner sehen in der Londonerin bereits die neue Audrey Hepburn ("Sabrina"), der sie in der Mode der frühen 1960er Jahre verblüffend ähnelt. Falls sie dafür den Oscar bekäme – absolut verdient.


Filmkritik von mkrispien

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