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Amelia| Kritik 3/10

Kinostart
17.06.2010



Handlung

Amelia Earharts (Hilary Swank) fliegerische Triumphe und ihr kometenhafter Aufstieg zu Ruhm und Anerkennung in einer von Männern dominierten Welt werden immer wieder durch ihre stürmische Beziehung zu George Putnam (Richard Gere) voran getrieben. Der gemeinsame Ehrgeiz, die gegenseitige Bewunderung und letztendlich ihre große Liebe zueinander kann nicht einmal durch ihre kurze, aber heftige Affäre mit Gene Vidal (Ewan McGregor) auseinanderbrechen. Mit der Unterstützung von Putnam, den sie schließlich heiratet, stürmt Earhart von Rekord zu Rekord: sie ist u.a. die erste Pilotin, die den Atlantik im Alleinflug überquert. Als Vorbild und Idol junger Frauen wird sie verehrt und avanciert zu eine der bekanntesten Amerikanerinnen ihrer Zeit.

Noch heute ranken sich Spekulationen und Gerüchte über ihr Schicksal: Earhart und ihr Navigator Fred Noonan (Christopher Eccleston) verschwinden 1937 unter mysteriösen Umständen bei dem Versuch einer ersten Weltumrundung entlang des Äquators. Neben dem sehr wahrscheinlichen Absturz über dem Südpazifik (trotz unzähliger Expeditionen wurde das Flugzeugwrack ihrer Lookhead Electra bis heute nicht gefunden) kursieren Gerüchte, sie habe sich der Öffentlichkeit entziehen wollen und sich durch den fingierten Absturz auf eine einsame Insel zurückgezogen.


Filmkritik | Amelia

Die verfilmte Biografie, das Biopic, gehört zu den Königsdisziplinen im klassischen Hollywood-Erzählkino. Und ist eine der schwierigsten Filmgattungen überhaupt. Problem: Die Geschichte der mehr oder weniger prominenten Hauptperson ist allseits bekannt oder kann zumindest in Lexika oder anderen Medien nachgeschlagen werden. Wenn der Plot, auch mit schicksalhaften Wendungen, bekannt ist, muss das Kinopublikum mit einem interessanten Ansatz, einem sehr eigenen Blick auf die Zentralfigur bei Laune gehalten werden -  die Beleuchtung von „Tatsachen“ ist die Sache des Dokumentarfilms, das gelungene Biopic interpretiert mit künstlerischer Freiheit, sucht nach der „Seele“, dem inneren Kern einer Biografie.  „Wahrheit“ im 1 zu 1 abbildenden Sinn macht einen Spielfilm öde. Das gerade ist das Problem von „Amelia“: Der Streifen ist unendlich langweilig und öde. „Snoozefest“ nennen Amerikaner ironisch einen solchen Stimmungstöter im Kino, bei dem das Publikum reihenweise ein Nickerchen macht.  Das merkten in den USA in seltener Einmütigkeit Kritik und Publikum und watschten den Streifen gnadenlos ab. Jetzt hilft das Opus um die legendäre US-Fliegerin Amelia Earhart in deutschen Kinos mühsam das Sommerloch zu stopfen.

Amelia Earhart ist in den USA so etwas wie die amerikanische Elly Beinhorn, die legendäre deutsche Pilotin, die in etwa zeitgleich mit der Amerikanerin in den 1930er Jahren den internationalen Luftraum eroberte, Rekorde über den Atlantik und um die Welt flog und die von Männern dominierte Fliegerszene aufmischte. Beinhorn starb 2007 mit über 100, Earhart ging 1937 verschütt über dem Pazifik. Seither wucherten die Legenden, Earhart wurde zu einer Ikone des American Way of Life; bei uns blieb sie außerhalb von Fliegerkreisen eher eine Unbekannte. Die hausbackene Verfilmung wird daran kaum etwas ändern.

Eigentlich hatte „Amelia“ alle Zutaten, um einen Kassenknülller zu landen: eine renommierte, unverbrauchte Regisseurin mit dem Ruf, anspruchsvolles Erzählkino abzuliefern; ein erfahrener Kameramann mit einem Händchen für stimmungsvolle Bilder; eine doppelt Oscar-prämierte Schauspielerin als Hauptdarstellerin; eine Hollywood-Ikone als leading man und ein männlicher Star der jüngeren Generation als Nebenbuhler; dazu opulente Landschaften, originale Flugzeuge aus dem Museum und ein Schwelgen in historischen Kulissen und Kostümen. Aber weder Regisseurin Mira Nair (“Monsoon Wedding”, “Vanity Fair”), noch Hilary Swank (“Boys Don´t Cry”, “Million Dollar Baby”, “Black Dahlia”) als Amelia, Richard Gere („Das Lächeln der Sterne“, “Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft”, “Gesetz der Straße - Brooklyns Finest“) als Ehemann George Putnam und Ewan McGregor („I love you Phillip Morris“, „Männer, die auf Ziegen starren“, „Der Ghostwriter“) als Möchtegern-Liebhaber Gene Vidal machten den Film Oscar-reif – im Gegenteil: Sie sind neben dem katastrophal verhunzten Drehbuch und der hilflos und uninspiriert wirkenden Regie maßgeblich schuld am Desaster: Miss Swank zeigt wieder einmal mehr, was sie vor allem am besten kann, viel Zähne und ein ruppiges She-Macho-Gehabe (will sie das „romantische Mädchen“ geben, wirkt sie unglaubwürdig – zum kitischig-peinlichen Ende des Films verspielt sie alles); Gere gibt den smarten Verleger-Gatten viel zu soft und mit dem üblichen Häuptling-Silberlocke-Schmachtblick, der seine jüngste Glanzleistung in „Brooklyns Finest“ leider vergessen macht; Ewan McGregor´s Part wirkt wie reingeschustert, um den langweiligen Plot romantisch aufzupeppen, und ist eines Stars seines Kalibers unwürdig. Nur das wirklich fabelhafte, bis ins kleinste Detail stimmige Set-Design, die tollen Klamotten aus den 1920er und 1930er Jahren, die fliegenden Kisten und die satten Landschafts- und Flugaufnahmen vor allem in Afrika sind ein Augenschmaus: Der neuseeländische alte Hase hinter der Kamera, Stewart Dryburgh („Das Piano“, „Als das Meer verschwand“, „Girl in the Park“) macht alles richtig und die Victoria-Wasserfälle sind gigantisch. Immerhin. Für einen gelungenen Film reicht es leider nicht.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Amelia

© 20th Century Fox

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