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Alice im Wunderland| Kritik 6/10

Kinostart
04.03.2010



Walt Disney bringt unter der Regie von Tim Burton ("Sweeney Todd", "Charlie und die Schokoladenfabrik") eine Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers "Alice im Wunderland" in die Kinos. Zeitgemäß in einer bunten, "Burton"-schen 3D-Optik.


Handlung

In ihrer Kindheit hatte das aufgeweckte Mädchen Alice das "Wunderland" sowohl lieben als auch fürchten gelernt. Mit 19 Jahren ist Alice (Mia Wasikowska) zu einer jungen Frau herangewachsen und reist abermals ins Wunderland. Dort trifft sie ihre alten und auch neue Freunde wieder: das weiße Kaninchen, die Tweedle-Zwillinge, die Mäuse, die Raupe, "Mad Hatter" (Johnny Depp) den verrückten Hutmacher, die weiße Königin (Anne Hathaway) und natürlich die Grinsekatze (Alan Rickman). Alice folgt ihrer Bestimmung. Sie muss die Herrschaft des Terrors beenden - ausgehend von der grausamen, roten Königin (Helena Bonham Carter).


Filmkritik | Alice im Wunderland

Eigentlich müsste der Film "Johnny im Wunderland heißen". Denn der heimliche Hauptdarsteller ist trotz des Titels Johnny Depp ("Charlie und die Schokoladenfabrik", "Fluch der Karibik", "Das Kabinett des Dr. Parnassus") und nicht die im wahrsten Sinne des Wortes blasse Mia Wasikowska ("The Kids Are All Right") als Alice. Warum die anämisch wirkende Australierin mit null Charisma für diese tragende Rolle ausgewählt wurde, bleibt ein Rätsel. Vermutlich sollte keine weibliche Hauptdarstellerin mit Star-Potential Tim Burtons und Disneys bewährtem Hätschelkind die Show stehlen. Jedenfalls macht dieser Film wieder einmal überdeutlich klar: Johnny Depp ist eigentlich gar kein so guter Schauspieler, sondern vor allem ein routinierter Masken-Darsteller, der irgendwie immer dieselbe Nummer abzieht. Das immerhin macht er mit Bravour, auch diesmal.

Dass "Alice im Wunderland" mit dem gleichnamigen Roman von Lewis Carroll bis auf die handelnden Figuren und Teile des Plots nichts gemein hat, macht nichts. Das psychodelische und leicht pädophile Schauermärchen aus dem 19. Jahrhundert wird heute kaum noch gelesen und ist den meisten nur vom Namen her und allenfalls aus der verkitschten Disney-Zeichentrick-Version von 1951 bekannt. Ein Kinderbuch war das drogengeschwängerte Fantasy-Abenteuer eines verklemmten britischen Mathematiklehrers sowieso nie. Drehbuchautorin Linda Woolverton tat gut daran, der Geschichte das leicht Klebrige zu nehmen und aus dem neunjährigen Mädchen eine 19jährige junge Frau an der Grenze zum Erwachsenwerden zu machen. Ansonsten ist das Skript der routinierten Disney-Lohnarbeiterin ("Die Schöne und das Biest", "König der Löwen", "Mulan") ein einziges Ärgernis.

Der erste Teil des Films macht noch Spaß, vor allem dank des zwischen schräg und erotisch chargierenden Johnny Depp und der von Burton wunderbar zum Leben erweckten Nebenfiguren wie dem weißen Kaninchen, der Grinsekatze, den makabren Zwillingen Tweedledee und Tweedledum und der blauen Raupe. Hier kann der Regisseur dem Genie seiner überbordenden Fantasie genüsslich Zucker geben und tut es auch reichlich und mit Gewinn für den Zuschauer. Die detailverliebt bebilderten Traumlandschaften gehören mit zum Besten, was der Meister des Bizarren bislang geschaffen hat. Nicht von ungefähr knüpft "Alice im Wunderland" atmosphärisch an Burtons frühes Meisterwerk "Edward mit den Scherenhänden", ebenfalls mit Johnny Depp, an. Da stört es auch nicht, dass die beiden Actricen Helena Bonham Carter ("Harry Potter und der Orden des Phönix", "Harry Potter und der Halbblutprinz"), im Leben mit dem Regisseur verheiratet, als hysterische rote Kopf ab-Königin und die sich manisch als eine Art Madonna-Verschnitt in den Vordergrund spielende Anne Hathaway ("Bride Wars - Beste Feindinnen", "Valentinstag") als ihre "gute" weiße Schwester gehörig nerven und die im Designer-Hängerchen durch das Wunderland stolpernde Mia-Alice mehr als peinlich wirkt. Man amüsiert sich dennoch prächtig.

Ärgerlich wird der Film im zweiten Teil, wenn das Drehbuch den aus "Alice im Wunderland" und seinem Nachfolger-Buch "Alice hinter den Spiegeln" zusammen gebrauten Plot verlässt und die Heldin als eine Art Jeanne d´Arc-Verschnitt in Ritterrüstung gegen den bösen Jabberwocky zu Felde ziehen lässt. Warum das arme Wesen, im Buch ein herrlich schräges, harmloses Nonsense-Gedicht, zu einer Art Alien-Monster, das erbittert bekämpft werden muss, mutiert, bleibt absolut schleierhaft. Fantasie alleine scheint heute im Kino nicht mehr zu reichen, es muss immer in einem blutigen Showdown enden, am liebsten in 3-D. Das allerdings hatten wir schon um Längen besser, zumal die 3-D-Optik bei Burton, anders als bei der Konkurrenz "Avatar" von James Cameron, plump aufgesetzt und mehr als überflüssig wirkt.

Die Krone setzt Burton bzw. die Drehbuchautorin dieser Disney-Auftragsarbeit dem Ganzen auf, wenn das mehr als konservative Ende dem Zuschauer als feministische Selbstfindung der Frau verkauft werden soll. Fair wäre es gewesen, wenn Alice ihren beiden Geschlechtsgenossinnen unter Tage endlich zu einem Leben an der frischen Luft verholfen hätte. Aber das wäre dann für Disney-Verhältnisse doch wohl zu feministisch geworden.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

Alice im Wunderland - Poster Art

© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Alice im Wunderland - Filmbilder

© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kommentare


Struppiger Tim
04.02.2012, 21:40:49
Zu den Worten meines Vorredners:

Wir lehnen ab was wir nicht verstehen (wollen)

Wahrlich ist in Realitas die Gestalt des Lewis Carroll vielschichtig.
Falls man sich mit seiner Biographie weiter auseinandergesetzt hat als das was auf Wikipedia steht und das ist eigentlich ganz ordentlich; kann man ihn nicht als verklemmten Mathematiklehrer darzustellen da es ein wenig oberflächlich gegriffen ist. Man bedenke das viktorianische Zeitalter- gegenüber heute war damals damals in England alles verklemmt. Des weiteren war er Tutor für Mathematik in Oxford, simpler Mathematiklehrer ist wohl etwas tiefgestapelt.
Über seinen Hang unbekleidete Mädchen abzulichten muss man nicht lange nachdenken, nach heutigen Masstäben bewertet seltsam bis gefährlich. In der viktorianischen Zeit vielleicht eher akzeptiert.
Derartige Tendenzen sehe ich jedoch weder im Buch noch im Film.

Was natürlich schade ist und Kritik verträgt ist die Tatsache, dass die Inhalte der Werke Carrolls vermischt wurden. Auch die Gedichte sind nicht richtig übersetzt.(Wenn das den überhaupt möglich ist). Um den Film disney- massentauglich zu machen und die Geschichte dicht zu halten jedoch notwendig.
Einen Film nach einer Romanvorlage zu machen der über 100 Jahre alt ist ist schwierig ein wenig daran zu drehen ist notwendig um nicht auf dem Kunstkanal als "Schinken" zu landen.

Die Akteure: Mia mag zwar nach außen farblos wirken, ist in ihrer Phatasie (und nur dort ist das ganz Wunderland) äußerst farbenfroh. Johnny steht natürlich differenzierter da und farbenfroher- er entspringt und existiert jedoch nur in der reichen Phantasie von Alice.
Fazit:
Wer die Kombination Depp und Disney nicht mag soll sie sich nicht ansehen. Im übrigen: Halte ich für solche Filme eine derartige Kritik für vergebenen Liebesmüh (und trotzdem antworte ich darauf) da sie als triviale Unterhaltung keinen Anspruch darauf erheben tiefgreifender Analyse zu widerstehen.
Ansonsten ein wunderbar unterhaltsamer phantasievoller Film.

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