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A Serious Man| Kritik 8/10

Kinostart
21.01.2010



Handlung

Eigentlich lebt Larry Gropnik (Michael Stuhlbarg) ein beschauliches Leben in einer kleinen jüdischen Gemeinde im Mittleren Westen der USA. Er ist ein liebender Ehemann, fürsorglicher Vater und erfolgreicher Professor. Aber irgendwie läuft plötzlich nichts mehr so wie gewohnt. Larrys Gattin verlangt plötzlich die Scheidung, um mit ihrem selbstgefälligen neuen Liebhaber zusammenleben zu können. Sein Sohn schwänzt die Schule, die Tochter bestiehlt ihn, um sich eine Nasekorrektur finanzieren zu können. Sein psychisch labiler Bruder hockt nur noch auf der Couch rum. Und als ob die Familie nicht schon genügend Probleme bereiten würde, gerät auch noch Larrys Karriere ins Trudeln: Anonyme Briefschreiber verbreiten falsche Anschuldigungen über ihn, und außerdem versucht ein Student, ihn zu bestechen. Larry sucht Hilfe, und hofft diese bei einem Rabbi zu finden. Doch auch das ist leichter gesagt, als bekommen.

Wenn die Coen-Brüder die Geschichte eines ernsthaften Mannes erzählen, dann wird es nicht lange ernsthaft zugehen.


Filmkritik | A Serious Man

Nach überstandener Midlife-Crisis und dem Welterfolg 'No Country for Old Men' (2007) präsentieren sich die Coen-Brüder derzeit produktiv und vielseitig wie seit den 90er Jahren nicht mehr. Ihrer düsteren, oscargekrönten McCarthy-Verfilmung ließen sie noch 2008 die stargespickte Komödie 'Burn After Reading' folgen, nur um nun abermals gänzlich neue Pfade einzuschlagen: Formal ebenfalls ein Lustspiel, bietet der aktuelle Streich "A Serious Man" absurden Galgenhumor, angesichts dessen dem Zuseher das Lachen zumeist im Halse steckenbleibt.

Neben der eher leicht und spöttisch anmutenden Stimmung des Vorgängerwerks sucht man diesmal auch Leinwandstars à la Pitt und Clooney vergeblich. Um dem heimisch-jüdischen Milieu der Sechziger Leben einzuhauchen, setzten die Coens vermehrt auf No-Names. Erhalten bleibt indes die nihilistische Grundader, die vor allem die späteren Arbeiten des Autorenfilmer-Duos kennzeichnet. Mithilfe dieser Zutaten entstand weniger ein weiteres epochales Meisterstück vom Schlage eines 'Fargo' (1996), als vielmehr ein kleines, ganz persönliches Filmjuwel.

Im Zentrum steht hierbei Protagonist Larry (leise verzweifelnd: Michael Stuhlbarg) als tragischer Beobachter der eigenen, Stück für Stück zerbröselnden Existenz. Seine Sinn- und Erklärungssuche in einem undurchsichtigen Chaos, für das nicht einmal kausal verknüpfte Gesetzmäßigkeiten von Schuld und Sühne Gültigkeit zu haben scheinen, bleibt ebenso erfolglos wie jegliche Versuche, aus demselben zu entrinnen: Die Realitätsflucht in den Drogenrausch erweist sich als wirkungslos, jene in Traumwelten als vollends missglückt. Stellte die menschliche Vorstellungskraft beispielsweise in Gilliams Klassiker "Brazil" (1985) noch das finale Asyl aller Hoffnung dar, findet dort in "A Serious Man" geradezu eine morbide Intensivierung des alltäglichen Horrors statt.

Und auch der einzig verbliebene Strohhalm - die Religion - verkümmert in Form wirklichkeitsfremder, resignierender und grotesk ratloser Rabbiner zu ungreifbarer Theorie. Der rettende Anker sämtlicher Weisheit und Konstanz wird als Trug entlarvt und höhnisch auf bloße Phrasendrescherei reduziert.
Löste die Abstinenz Gottes bei Nietzsche Umwälzung und Erneuerung, im Expressionismus und bei Ingmar Bergman gerne auch Wahnsinn und Tod aus, verbleiben im vorliegenden Fall lediglich Ernüchterung, Ausweglosigkeit und Absurdität. Das sisyphosische Ertragen des Unvermeidlichen, das Lenzsche Dahinvegetieren bis zur nächsten Heimsuchung durch ewig wiederkehrende Katastrophen wird als Lösung präsentiert, die keine ist.

Für ein größeres Publikum dürfte "A Serious Man" zu subtil schwarzhumorig und letztlich auch zu pessimistisch sein. Für Anhänger der Autorenbrüder und berufene Cineasten im Allgemeinen aber gilt es, ein weiteres exquisit konstruiertes Bonbon aus dem Hause 'Coen' zu entdecken; ist die Verpackung auch erneut eine gänzlich andere, muten Inhalt und Geschmack wohlig vertraut an. Diese Konstante also bleibt uns vorerst erhalten.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

A Serious Man

© Tobis Film

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Steckbrief
Regie
Ethan Coen, Joel Coen

Darsteller
Aaron Wolff, Adam Arkin, Fred Melamed, George Wyner, Jessica Mcmanus, Michael Lerner, Michael Stuhlbarg, Michael Tezla, Richard Kind, Sari Lennick

Genre
Komödie

Tags
Coen-Brüder, Vorstadtidylle
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Herstellungsland
USA




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