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Ein Prophet| Kritik 9/10

Kinostart
11.03.2010



Handlung

Malik El Djebena (Tahar Rahim) wurde nach einem Vergehen an einem Polizisten zu einer 6jährigen Haftstrafe verurteilt. Kein leichtes Leben erwartete den jungen Mann im Gefängnis. Doch schon bald freundet er sich mit dem viel älteren Cesar Luciani (Niels Arestrup) an, der in diesem Gefängnis der Anführer unter den Korsen ist. Dieser macht Malik zu seinem Bediensteten und bietet ihm im Gegenzug Schutz an. So muss Malik bei seinem ersten Ausgang einige Botengänge tätigen und ein Päckchen bei dem korsischen Mafiaboss Sampierro (Pierre Leccia) abliefern. Zeitgleich gelingt es Malik ein kleines aber lukratives Drogengeschäft aufzubauen.


Filmkritik | Ein Prophet

Selten hat ein Film in jüngster Zeit die Gemüter von Kritik und Publikum dermaßen aufgewühlt wie dieser Film. Sowohl für die Goldene Palme von Cannes als auch für den Auslands-Oscar galt "Ein Prophet" als haushoher Favorit. Gewonnen haben dann jeweils weitaus schwächere Filme. Für einen wahren César-Regen, den nationalen französischen Filmpreis, und den Großen Preis der Jury in Cannes reichte es allemal. Und für einen Eintrag in das goldene Buch der Filmgeschichte. Regisseur Jacques Audiard ("Lippenbekenntnisse", "Der wilde Schlag meines Herzens") hat die altgedienten Genres Gefängnis- und Gangsterfilm neu erfunden. Ein Film wie ein Naturereignis.

Stilistisch knüpft diese filmische "Bildungsreise" der so ganz anderen Art einerseits an Meisterwerke des Genres im US-Kino an: Audiard nennt seinen Film einen "Anti-Scarface", bezogen auf den Film "Scarface" von Brian de Palma mit Al Pacino aus dem Jahr 1983. Andererseits sind Parallelen zu französischen Krimi-Klassikern, vor allem von Jean-Pierre Melville, nicht zu übersehen. Der hochgerühmte Newcomer Tahar Rahim in der Rolle des jungen Malik erinnert in seiner biografielosen Einsamkeit, wortkargen Kühle, zärtlichen Brutalität und in Schach gehaltenen Gefühligkeit weniger an den stets hyperventilierenden Al Pacino als an den eiskalten Engel und Samurai Alan Delon in Melvilles gleichnamigem Meisterwerk. Weniger überzeugend ist der französisch-dänische Schauspieler Niels Arestrup ("Der wilde Schlag meines Herzens", "Schmetterling und Taucherglocke") als korsischer Pate und Knast-Diktator César Luciani. Der Schauspieler neigt zum Overacting, wirkt eher wie ein polternder Wikinger als wie ein korsischer Mafiaboss und lässt es an feinen Zwischentönen weitgehend vermissen.

Das Beklemmendste an dem Film ist das klaustrophobische Knast-Szenario, in dem uns der  Regisseur lange schmoren lässt. Die Geburt eines Schwerverbrechers vollzieht sich im fauligen Biotop des blutgetränkten französischen Gefängnisalltags. Anders als die meisten Filme des Genres, in denen der Knacki unaufhörlich auf Flucht sinnt, spart Malik seine Kräfte und nutzt  sinnvoll die Zeit. Er entdeckt seine durch kaputte Herkunft, fehlende Bildung und Verrohung  verschüttete Intelligenz, die er nach einer furchtbar brutalen Initiation in die Männerwelt der Mörder und Totschläger nach und nach auszubauen und zunehmend geschickt einzusetzen weiß. Am Ende pflastern Leichen seinen Weg, und es ist Zeit für eine Wachablösung: Die Korsen gehen und die maghrebinischen Araber kommen. Die Realität der Gegenwart ist auch im Gefängnis angekommen.

Handwerklich kann sich Regisseur Audiard wieder einmal mehr auf ein eingespieltes Team hinter der Kamera und im Schneideraum verlassen. Messerscharfe Schnitte und eine nervöse, oft mit halbgeöffneter Blende ruhelos enge Räume abtastende Handkamera verhelfen dem Film zu einer beklemmenden, nahezu physisch spürbaren Intensität, deren Wirkung noch Stunden nach Filmende anhält. Der feine, intelligente, nie den Film nötigende Score von Star-Komponist Alexandre Desplat, der neben Original-Soundtrack auch amerikanischen Folkrock und sogar die "Dreigroschenoper" bemüht, trägt das Seine zum Gelingen dieses Meisterwerks bei. Der Franzose, längst in Hollywood angekommen ("New Moon - Biss zur Mittagsstunde", "Der Ghostwriter"), erlaubt sich immer mal wieder Ausflüge zu kleinen, ambitionierten Projekten in Europa. Respekt.

Kleiner Wermutstropfen: Der Twist zum Mystery-Genre, worauf der Titel verweist, macht etwas ratlos. Nötig hätte ihn der Film nicht gehabt.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

A Prophet

© Sony Pictures Releasing GmbH

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Steckbrief
Regie
Jacques Audiard

Darsteller
Adel Bencherif, Leïla Bekhti, Niels Arestrup, Pierre Leccia, Reda Kateb, Tahar Rahim

Genre
Drama, Krimi

Tags
Gefängnis
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Frankreich, Italien

Alternativ- bzw. Originaltitel
Un Prophète




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