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9 to 5: Days in Porn| Kritik

Kinostart
02.07.2009



Handlung

Das San Fernando Valley in LA ist das Epizentrum der US-Erwachsenenunterhaltung. Milliarden von Dollar werden hier jedes Jahr mit Pornos verdient, mehr als in der Musikindustrie. "9to5 DAYS IN PORN" porträtiert die Protagonisten der Branche auf sehr direkte und trotzdem sensible Art. Das Kaleidoskop aus faszinierend ehrlichen Portraits, die in über 18 Monaten Drehzeit entstanden sind, bietet tiefe Einblicke in die persönlichen Lebensumstände der Menschen, die in der Welt des Pornos leben und arbeiten. Was ist ihre Motivation? Wie trennen sie zwischen ihrem privaten und ihrem beruflichen Leben? Wovon träumen sie und wie gehen sie mit ihrem außergewöhnlichen Job im Alltag um?


Filmkritik | 9 to 5: Days in Porn

Mosaikstein für Mosaikstein fügt sich die Mentalitätsgeschichte der kalifornischen Pornoindustrie in San Fernando Valley in diesem Episodenfilm zusammen. "9 to 5: Days in Porn" zeigt zehn Protagonisten, die sich auf die Spielregeln der Schmuddelbranche eingelassen haben, mit Neugier und Respekt. Der moralinsauer erhobene Zeigefinger fehlt hier ebenso wie opportunistische Anbiederungseffekte. Jens Hoffmanns Erzählungen halten die Balance zwischen Nähe und Distanz. Sein Dokumentarfilm vermeidet allen Voyeurismus. Das vermeintlich Spektakuläre ist hier Normalität. Vorgeführt wird die Normalität einer Wachstumsbranche, die trotzdem etwas Groteskes hat. Das wirkt manchmal skurril, ist öfter infantil und hin und wieder eben auch gespenstisch.

Mehr als 18 Monate lang haben Jens Hoffmann und seine kleine Crew die gezeigten Agenten, Darsteller, Produzenten und Berater bei ihrer Arbeit begleitet. Da ist die junge Sasha Grey, am Anfang ein Nobody mit (in dieser Branche seltenen) Sendungsbewusstsein, am Ende ein Star, der unter der Regie des großen Steve Soderbergh die Hauptrolle in der Prostitutions-Komödie „The Girlfriend Experience“ spielt. Grey gibt sich als Aktivistin des Porno-Kults und der Zuschauer bleibt ein wenig ratlos darüber, ob ihr die Zukunft in der Traumfabrik Hollywoods gehört oder der große Psycho-Absturz bevorsteht. Ein filmischer Glücksfall ist auch die Ex-Pornoqueen Dr. Sharon Mitchell, heute medizinische Beraterin mit echtem Doktortitel, die Pornoakteure berät. Diese Frau ist mit scharfer Diagnostik und einem waghalsigen Humor gesegnet, der Schriftsteller wie John Updike oder John Irving Freudentränen entlocken könnte. Schließlich ist da auch noch ein Ehepaar, Andrey Hollander und Otto Bauer, das vor den Kameras agiert und deren Beziehung am Umfeld zu zerbrechen droht.

Gradlinig, schmucklos und ehrlich arbeitet sich Jens Hoffmann an seinem Thema ab. Er kommt ohne großes Equipment aus, ist Regisseur und Kamermann in einer Person. Das klingt nach den üblichen Wackelbildern mit digitaler Handkamera. Doch Hoffmann gelingen glänzende und scharfe Bilder auf 16 Millimeter und mit HD-Kamera. Hoffmanns Kamera nimmt niemals die Position der Porno-Kamera ein. Statt die Vagina einer scheinbar lustvoll Kopulierenden vor dem „Pink Shot“ zu zeigen, fixiert seine Kamera hinter der Kamera für einen Moment die strammen tätowierten Waden des Porno-Kameramannes. Am Ende des mit fast zwei Stunden Spielzeit etwas lang geratenen Films gilt: Je extremer der Job, desto biederer das private Umfeld. Die Protagonisten im Porno-Gewerbe sind eigentlich ganz normale Menschen. Das ist die schlichte und nicht sonderlich überraschende Botschaft des Films. Eigentlich ein tröstlicher Gedanke. "9 to 5: Days in Porn" ist ein ambitionierter und hervorragend fotografierter Dokumentarfilm mit etwas dünner Botschaft, der seinem spektakulären Thema viel verdankt.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

9 to 5: Days in Porn

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Steckbrief
Regie
Jens Hoffmann

Darsteller
Audrey Hollander, Belladonna, Holly Valance, Mia Rose, Otto Bauer, Roxi Devill, Sasha Grey, Tom Herold

Genre
Dokumentation

Tags
Los Angeles, Sex
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Herstellungsland
Deutschland




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