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8. Wonderland| Kritik 7/10

Kinostart
12.08.2010



Handlung

"8. Wonderland" erzählt die atemberaubende Geschichte des ersten virtuellen Staates, den ein global zusammengesetztes Kollektiv aus Hunderten von Menschen im Internet gegründet hat. Sie wollen den bloßen Worten der Politik Taten entgegensetzen. Wöchentlich stimmen die Bürger des 8. Wonderland über die nächsten Aktionen ab. Per demokratischen Beschluss wird so der Vatikan mit Kondom-Automaten dekoriert, eine Darwin-Bibel in Massenauflage gedruckt, ein Atomdeal zwischen Russland und Iran durch sehr bewusste Fehl-Übersetzung verhindert und millionenschwere Fußballprofis in einen chinesischen Sweatshop zur handgearbeiteten Massenschuh-Produktion verfrachtet. Die Aktionen des 8. Wonderland legen den Finger in die Wunden der globalkapitalistischen Ungerechtigkeiten. Mit den sich radikalisierenden Aktionen erschüttern die Web-Revolutionäre nicht nur die Aufmerksamkeits-Ökonomie der internationalen Medien, sondern auch die der westlichen Geheimdienste, die globale Krisen heraufziehen sehen. Als ein Hochstapler behauptet, Gründer und Kopf vom 8. Wonderland zu sein und seine Popularität für Werbespots ausnutzt, müssen die Internet-Partisanen handeln, wenn sie ihr eigenes Gesicht wahren wollen. Doch allzu schnell sitzen sie in der Diskursfalle: als die Mächtigsten beginnen, dem virtuellen Staat Gewaltakte in die Schuhe zu schieben, ist die Jagd nach den Terroristen des 8. Wonderland offiziell eröffnet.


Filmkritik | 8. Wonderland

Wir alle kennen die gelegentlich auftretenden Wünsche eines jeden Einzelnen von uns, endlich in die Fehler der ganz Großen an der Spitze unserer Politik, der Wirtschaft oder auch der Religion eingreifen zu können. Wir möchten gehört werden. Doch im Grunde wissen wir, dass wir nicht viel ausrichten können. Doch was wäre, wenn wir uns alle zu einer Einheit zusammenraffen würden und entscheiden würden zu handeln? Und was wäre, wenn diese Entscheidung eskaliert und zu radikalen Maßnahmen führt?

Genau mit dieser Thematik beschäftigt sich „8. Wonderland“, das erste gemeinsame Regiewerk von Nicolas Alberny (bekannt durch „Forgotten King Kong“) und Jean Mach (bekannt durch „Aquarium“). Im Mittelpunkt des Streifens, der sich voll und ganz dem Aufstieg und dem tiefen Fall einer Online-Community widmet, die sich zeitweise eindeutig selber überschätzt und den Bezug zwischen der Realität und der Onlinewelt aus den Augen verliert, ist vor allem eines: stark gewöhnungsbedürftig.

Dazu steuert nicht nur die sehr gewagte Erzählungsart und –Weise des 98 Minuten langen französischen Dramas bei. Denn Alberny und Mach bewegen sich überwiegend in der virtuellen Welt, bestehend aus Video- und Voicechat, sowie Forendiskussionen und Nachrichtenmitschnitten aus der „realen Welt“. Letztere wird dabei nur so eingeschränkt und bedingt gezeigt, dass „Ausflüge“ in den filmerischen Alltag schnell sehr befremdend wirken. Da dass aber eindeutig Absicht der Macher ist, kann man dem Film hier nur Pluspunkte anrechnen.

Ebenfalls sehr gelungen ist der Spannungsbogen, der sich wunderbar aufbaut und zum Ende hin tatsächlich beim Zuschauer das Gefühl erzeugt, jeden Moment mit diesem zu zerreißen. Alles beginnt mit einfachen und kleinen Diskussionen, wie wir sie alle aus typischen Foren kennen. Doch spätestens als diese theoretischen Diskussionen entgleisen und die ersten Einzelgänger meinen, im Namen der ganzen Community, handeln zu müssen, wird dem Zuschauer gemeinsam mit den Filmprotagonisten klar, dass Schlimmes bevorsteht - und dass in all den sicherlich unrealistischen Minuten, die sich einem auf der Leinwand bieten, ein Fünkchen Realität stecken könnte. Vor allem, wenn man sich aktuelle Diskussionsrunden oder auch den Trend zum zweiten, virtuellen Leben wie in „World of Warcraft“ oder „Second Life“ genauer ansieht.

8. Wonderland“ ist ein gelungenes Drama mit dem Hauch eines Thrillers, das eine auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftige „was wäre wenn“-Thematik auffasst, die – wenn man ganz genau hinsieht – gar nicht so unrealistisch ist. Weiter Pluspunkt ist der äußerst gelungene, schräge Humor, der dem Zuschauer selbst in den unerwartetsten Momenten den einen oder anderen Lacher entlockt. Definitiv mehr als sehenswert – und vor allem zum Nachdenken gemacht.


Filmkritik von Gastautor

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Bilder / Fotos

8. Wonderland

© Neue Visionen Filmverleih & mücke müller GbR

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Steckbrief
Regie
Jean Mach, Nicolas Alberny

Darsteller
Ahlima Mhamdi, Alaïn Azerot, Eloissa Florez, Matthew Géczy, Michael Hofland, Robert William Bradford

Genre
Drama, Thriller
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Herstellungsland
Frankreich




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