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8 Frauen| Kritik

Kinostart
2002



Der Schauplatz: Ein bürgerlicher Landsitz im Frankreich der fünfziger Jahre.

Die Protagonisten: Acht Frauen und ein Mann, wobei Letzterer allerdings nur das gesichtslose Sahnestückchen ist, auf das alle anderen irgendwie einen Anspruch zu haben glauben.

Dieser Film hätte genauso gut den Titel "Der diskrete Charme der (französischen) Bourgeoisie" tragen können, da es weniger darum geht zu erfahren, wer Marcel (Dominique Lamure) in die ewigen Jagdgründe befördert hat, als darum, dem Zuschauer Einblick in die Abgründe der bigotten Seelen der ehrbaren Familie zu gewähren, die sich hier versammelt hat, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. François Ozon hat den Film mit nur neun Schauspielern realisiert, darunter allerdings die Crème de la Crème unter den französischen Darstellerinnen.

Gaby (Catherine Deneuve) lebt mit ihrem Mann Marcel, ihrer halbwüchsigen Tochter Catherine (Ludivine Sagnier), ihrer ledigen Schwester Augustine (Isabelle Huppert) und ihrer Mutter (Danielle Darrieux) auf dem Landsitz der Familie. Wie es sich gehört, verfügt man außerdem über ein Hausmädchen und eine Köchin. Suzon (Virginie Ledoyen), die ältere Tochter, ist zur Zeit in England (was sie dort genau tut, bleibt im Dunkeln), sie findet sich jedoch zu den Feiertagen ebenfalls ein. Scheinbar eine Idylle, die das harmonische Zusammenleben dreier Generationen unter einem Dach vorspiegeln soll, doch der Schein trügt, wie man als Zuschauer sehr bald feststellt. Unter der gutbürgerlichen Fassade werden Intrigen gesponnen, und natürlich – wie soll es anders sein – ist Geld im Spiel, als der unglückliche Marcel mit einem Messer im Rücken in seinem Bett gefunden wird. Das Haus ist über Nacht eingeschneit, die Telefonleitung wurde sabotiert, und das Familienauto will nicht anspringen. Die Polizei kann also nicht verständigt werden, und langsam wird allen klar, dass im Prinzip eine der sieben anwesenden Frauen die Mörderin sein muss. Sieben? Nein, acht, denn kurz darauf taucht auch noch Pierrette (Fanny Ardant), Marcels halbseidene Schwester auf, die sich zur Tatzeit ebenfalls auf dem Grundstück aufgehalten hat. Nach und nach beginnt die Fassade der Ehrbarkeit abzubröckeln, und man sollte schon über eine gute Portion schwarzen Humors verfügen, um das Spektakel so richtig genießen zu können.

Eine etwas ungewöhnliche Note bekommt der Film dadurch, dass jede der acht Frauen zu gegebener Zeit ein Liedchen anstimmen darf – jeweils ein bekanntes französisches Chanson, deren heitere und beschwingte Arrangements aber nicht so recht zum eher sarkastischen Ton des Films passen wollen. Immerhin wurden sie nicht synchronisiert und nachgesungen, sondern mit Untertiteln versehen. Möglicherweise fügen sie sich in die französische Originalversion nahtloser ein, in der deutschen Synchronisation wirkten sie für meine Begriffe etwas fehl am Platz. Dennoch hat Ozon mit 8 Frauen eine Burleske abgeliefert, wie man sie in letzter Zeit im Kino nur noch sehr selten sieht, und der Film ist eine willkommene Abwechslung zu den üblichen Sommer-Blockbustern (die ich mir in diesem Jahr erspart habe).


Filmkritik von Monika Hübner

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Steckbrief
Regie
François Ozon

Darsteller
Catherine Deneuve, Danielle Darrieux, Dominique Lamure, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Firmine Richard, Isabelle Huppert, Ludivine Sagnier, Virginie Ledoyen

Genre
Komödie, Krimi, Musikfilm

Tags
Frankreich, Mord
Gastkritiken
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Filmfacts
Herstellungsland
Frankreich, Italien

Alternativ- bzw. Originaltitel
8 Women




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