Handlung
Karl Koch (August Diehl) ist fasziniert von den Illuminaten, seit sein Vater ihm das Buch "Illuminatus" einst zum Geburtstag schenkte. Er liest es wieder und immer wieder und ist überzeugt davon, dass eine weltweite Verschwörung im Gange und der dritte Weltkrieg nahe sei. Die Zahl 23 hat für ihn magische Bedeutung, da alle wichtigen Ereignisse irgendwie mit ihr in Zusammenhang zu stehen scheinen.
Mindestens ebenso wichtig wie das Buch "Illuminatus" ist für Karl sein Computer, mit dem er nicht nur in diversen Diskussionsforen aktiv ist, sondern auch in fremde Systeme eindringt. Was anfangs nur ein Zeitvertreib ist, um zu beweisen, wie schlecht geschützt viele Netzwerke sind, wird schließlich bitterer Ernst, als er in die Fänge des KGB gerät und - zusammen mit seinem Freund David (Fabian Busch) - zum Spion wird.
Filmkritik | 23 - Nichts ist so wie es scheint
Der Film "23 - Nichts ist so wie es scheint" erzählt das Leben des legendären Hackers Karl Koch, der in den 80er Jahren zum Sowjetspion und im Alter von 23 ermordet in einem Waldstück aufgefunden wurde. Trotz des dokumentarischen Charakters ist es dem Regisseur Hans-Christian Schmid gelungen, einen spannenden Film zu drehen, der den Zuschauer schnell in seinen Bann zu ziehen vermag. Er beschreibt die deutsche Hackerszene der 80er Jahre ohne viel technischen Jargon, so dass auch der Computerlaie sich nicht ausgegrenzt fühlt. Im Vordergrund stehen die Menschen, die den Film bevölkern, nicht die etwaigen technischen Errungenschaften. Die mystische Komponente, die durch die Verbindung zu den Illuminaten geschaffen wird, verleiht der Film einen Hauch von Geheimnis, der neugierig macht und dazu beiträgt, dass keine Langeweile aufkommt.
August Diehl und Fabian Busch überzeugen durch die Natürlichkeit, mit der sie ihre Rolle spielen. Jan-Gregor Kemp und Dieter Landuris in den Rollen der Bösewichter wirken daneben routiniert und etwas blass, aber sie sind sowieso eher Randfiguren.
Wem die 80er Jahre noch lebhaft im Gedächtnis sind, wird zugeben, dass die Atmosphäre dieses Jahrzehnts gekonnt eingefangen wurde. Nicht nur Computernostalgiker kommen hier auf ihre Kosten. Der Film ist liebevoll und detailgenau ausgestattet worden, man merkt, dass die Verantwortlichen sich hier große Mühe gegeben haben.
Der Regisseur hat bewiesen, dass es möglich ist, auch in Deutschland einen packenden Film zu drehen. Wer es müde ist, auf den Plakaten immer nur dieselben Namen zu lesen und sich deshalb einen Kinobesuch meist erspart, sollte sich "23" unbedingt ansehen. Hier wird gezeigt, wie es auch ohne Katja Riemann und Til Schweiger geht, nämlich viel besser.
Filmkritik von Monika Hübner