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22 Bullets| Kritik 6/10

Kinostart
02.12.2010



Handlung

Charly Mattei (Jean Reno) hat mit seiner kriminellen Vergangenheit abgeschlossen: Mafia-Pate, schmutzige Geschäfte, Mord und Totschlag - das war einmal. Seit drei Jahren führt er ein beschauliches Leben und widmet sich liebevoll seiner Frau und seinen beiden Kindern. Daran wird sich so bald auch nichts ändern. Glaubt er. Doch eines Wintermorgens holt ihn sein früheres Leben auf brutale Weise ein: In einem Parkhaus am alten Hafen von Marseille wird Charly von einem achtköpfigen Mordkommando überfallen und mit 22 Kugeln niedergestreckts. Als die maskierten Angreifer vom Tatort verschwinden, gehen sie davon aus, dass Charly tot ist. Tatsächlich überlebt er schwer verletzt. Der Polizei gegenüber schweigt sich der Ex-Pate über die Täter und möglichen Hintergründe aus. Doch er hat einen Verdacht. Kaum genesen, beschließt Charly, die Verantwortlichen des hinterhältigen Anschlags auf sein Leben zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Observiert von einer zähen Kommissarin, die ein persönliches Interesse an dem Fall hat, belächelt von der Unterwelt, die dem einstigen Komplizen nicht mehr viel zutraut, beginnt Charly sich umzuhören. Doch mit Gewaltlosigkeit kommt er nicht weit. Und ist schon bald gezwungen, unter seinen Feinden aufzuräumen. Ein erbarmungsloser Rachefeldzug beginnt.


Filmkritik | 22 Bullets

Keine andere Filmnation weiß neben den Amerikanern geradlinige Hard Boiled-Krimis derart konsequent und lupenrein in Szene zu setzen wie die Franzosen. Und kein anderer französischer Schauspieler der Gegenwart ist derart prägend das Gesicht dieses Genres wie Jean Reno. Wie bei allen Großen seiner Zunft schimmert bei dem Hünen mit dem einprägsamen Charakterkopf des eiskalten Killers oder Cops immer der Gefühlsmensch durch die Maske. Darin ist Reno seinen legendären Vorläufern Jean Gabin („Der Clan der Sizilianer“)  und Lino Ventura  („Der Maulwurf“) nicht ganz unähnlich. Und der Käufer einer Kinokarte weiß: Wo Jean Reno drauf steht, da ist auch garantiert zu 100 Prozent authentischer Jean Reno drin. So auch bei „22 Bullets“.

Eines vorweg: Ohne den überragenden Reno und ein insgesamt professionell und kongenial agierendes Team von Kollegen wäre „22 Bullets“ nur halb so viel wert. Mit einem weniger charismatischen Hauptdarsteller und weniger schauspielerisch begabten Mitstreitern wäre dieses klassische Rachefeldzug-Drama nichts weiter als ein routiniert in Szene gesetzter, vom Plot her sogar ein bisschen langweiliger Film geworden. Zu viele Männer mit zu dunklen Sonnenbrillen, der Gentleman-Verbrecher als „Frührentner“ und Mann der Ehre, gewissenlose Verräter, treulose Freunde, alte Schule gegen neue Zeit. Am Ende schlägt der in des Wortes doppelter Bedeutung „Familienmensch“, bis ins Mark getroffen, rachedurstig eine blutige Schneise der Gewalt durch eine verkommene Welt, die nicht mehr die seine ist. Die „ehrenwerte“ Gesellschaft – der Film spielt im Milieu der von Korsen und Süditalienern geprägten Marseiller Mafia alten Schlags - als Spiegel der Bürgerlichen. Am Ende ist gründlich sauber gemacht und die alte Ordnung zumindest auf Zeit wieder hergestellt.

Das alles ist nichts Neues. Die Filmhandlung bietet kaum Überraschungen, so gut wie keinen originellen Twist und das Ende ist von Anfang an so klar wie die Sonne über Marseille. Das soll ja auch so sein, das erwarten wir bei einem Genre-Film, und am Ende wären wir ganz schön sauer gewesen, wenn es da noch irgendwelche Irritationen gegeben hätte. Der Besuch eines solchen Films ist wie ein Saunagang: Man schwitzt sich ordentlich aus und geht anschließend  aufgeräumt nach Hause. Ein Genrefilm ist kein Arthouse-Cinema und bedient gewisse Erwartungshaltungen. Wichtig sind die Klasse der Schauspieler und die Qualität der Umsetzung eines bewährten Rezepts. Erstere ist wie gesagt hervorragend, zweitere nur bedingt gelungen. Richard Berry, ein bislang eher unscheinbarer Schauspieler („Ruby & Quentin – Der Killer und die Klette“) und nicht allzu erfahren als Regisseur („Black Box“) , ist ein Strohmann, hinter dem Produzent Luc Besson („Das fünfte Element“, „Johanna von Orléans“) die Filmfäden zieht - der Mann, der Jean Reno einst aufgebaut und spätestens seit dem internationalen Mega-Erfolg „Léon, der Profi“ zum Star gemacht hat. Warum er diesmal nicht auf dem Regiestuhl Platz nahm, ist unbekannt. Sein Adept müht sich redlich, letztendlich fehlen dem Ergebnis dieser Mühen jedoch der Biss und die persönliche Handschrift, wie meistens, wenn ein unbeschriebenes Blatt im Schatten eines übergroßen Produzenten schüchtern Regie führt (in Deutschland funktionieren alle Eichinger-Filme nach dem Muster). Lediglich ein bedenklich die Grenze zur Heldenverehrung streifender Hang zur Mystik (nicht umsonst heißt der Film im Original „Der Unsterbliche“), die allen Besson-Werken zu eigen ist, verrät überdeutlich die Handschrift des Meisters.

Irgendwie wirkt das Ganze ein wenig verzagt und mutlos und wie eine – wenn auch mit Fleißkärtchen zu belohnende – Schülerarbeit. Daran können auch mit Sonnenbrille duschende Mafiosi und allzu ausgiebige und letztendlich in dieser Länge überflüssige und nur Zeit schindende Verfolgungsjagden durch Marseille nicht viel ändern. Nervig wird es auf Dauer auch, dass die Regie eine übernervöse, alptraumartig rasende Shaky Cam allzu bereitwillig das Heft in die Hand nehmen lässt. Ein Wiedersehen gibt es übrigens mit einem „alten“ Bekannten: Ein holder Knabe mit dem schönen Namen Max Baissette de Malglaive, der bereits in „Versailles“ die Geduld des Zuschauers gehörig strapazierte, darf auch in „22 Bullets“ als Sohn des Helden sehr blond und sehr rehäugig auf unseren Nerven herum trampeln. Das französische Kino hat, so scheint es, einen neuen Kinderstar.


Filmkritik von mkrispien

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Bilder / Fotos

22 Bullets

© Central Film Verleih / Wild Bunch

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Steckbrief
Regie
Richard Berry

Darsteller
Claude Gensac, Fani Kolarova, Gabriella Wright, Jean-Pierre Darroussin, Jean Reno, Joséphine Berry, Kad Merad, Marina Foïs, Max Baissette de Malglaive, Venantino Venantini

Genre
Action, Drama, Krimi

Tags
Marseille
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Filmfacts
Herstellungsland
Frankreich

Alternativ- bzw. Originaltitel
L'immortel




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